Peter Paul Rubens

KRAFT DER VERWANDLUNG
17. Oktober 2017 bis 21. Jänner 2018

»Wie kein Maler vor ihm hat Rubens Welten erschaffen und ausgefüllt, die bis heute aufregen. Seine Kunst ist voller Spezialeffekte. Farben und Formen explodieren, brechen aus den Gemälden heraus. Pop Art. Alles ist mit neuen Augen gesehen, der Kosmos, die Menschen, ihr Tun. Rubens verlässt die Natur und schafft abstrakte Räume. Mit einer dem Kino vergleichbaren Dramatik betreten darin Helden, Götter, Tiere die neue Bühne des Barock. Und in alledem überrascht uns dieser Maler. Mit Bildern, die alles können: Sie erzählen von Liebenden ebenso wie von Schmerz und Wut, sie verlebendigen monströse Wesen und Göttinnen der Schönheit. Er ist ein Star. Rubens kommt!«

Stefan Weppelmann, Direktor der Gemäldegalerie

Gewitterlandschaft mit Jupiter, Merkur, Philemon und Baucis, um 1620/1625, Peter Paul Rubens, Kunsthistorisches Museum Wien

70 Leihgaben aus den großen Sammlungen der Welt

Peter Paul Rubens war seinerzeit ein Star – und ist es bis heute! Sein Name steht für die Malerei einer ganzen Epoche, der Zeit des Barock; doch auch die Kunst der Gegenwart kommt oft nicht an ihm vorbei.

Das außerordentliche Lebenswerk dieses Genies umfasst großformatige Altarbilder, die an Dynamik und Farbgewaltigkeit alles übertrafen, was seine Zeitgenossen kannten, aber auch sinnliche Akte und dramatische Bilderzählungen. Ebenso verbindet man Rubens mit intimen und privaten Gemälden, darunter das berühmte „Pelzchen“ im Kunsthistorischen Museum. Die Darstellung ist eine regelrechte Liebeserklärung des Malers an seine zweite Gemahlin, die junge wie schöne Hélène Fourment.

Großartig und voller Lebendigkeit ist auch die Gewitterlandschaft, die Rubens wohl aus persönlichem Interesse an Problemen der Landschaftsdarstellung beginnt und zeitlebens verwandelt.

Die Sonderausstellung ermöglicht erstmals, diese und viele andere Wiener Meisterwerke im Kontext von Rubens’ Vorzeichnungen, Ölskizzen, Tafelbildern und Leinwänden neu zu erleben.

Die Werkauswahl, darunter etwa 70 Leihgaben aus den großen Sammlungen der Welt, ist dabei so getroffen, dass Gegenüberstellungen verdeutlichen, wie Rubens arbeitet, wie ihm seine eindringlichen, überlegt komponierten Kunstwerke gelingen.

Es ist damit der spannendste Aspekt seines Schaffens thematisiert: die Auseinandersetzung des Malers mit Quellen und Vorbildern. Die Ausstellung möchte anhand einiger Beispiele zeigen, wie Rubens bei anderen Künstlern – in Werken seiner Zeitgenossen ebenso wie in Gemälden bedeutender Renaissancemaler – Inspiration findet. Zugleich tritt er zeitlebens mit der Bildhauerkunst aus Antike und Renaissance in Dialog.

Das Parisurteil, 1638, Peter Paul Rubens © Museo Nacional del Prado
Rubens über anonymen italienischen Künstler nach Tizian, Peter Paul Rubens © National Gallery of Art, Washington
Venus Frigida, 1614, Peter Paul Rubens, Royal Museum of Fine Arts Antwerp © www.lukasweb.be – Art in Flanders vzw, photo Hugo Maertens

Die vier Flüsse des Paradieses, um 1615, Peter Paul Rubens, Kunsthistorisches Museum Wien

Unerhört ist, wie die Gestalt des Erlösers hier mit jener des von Begierde getriebenen Mischwesens zu einem erotischen Körper verschmelzen kann.

Von Cupido gezähmter Kentaur, Zeichnung nach antikem Original, Peter Paul Rubens, 1600/1608, Wallraf-Richartz-Museum, Köln © Rheinisches Bildarchiv Köln
Ecce Homo, um 1612, Peter Paul Rubens © The State Hermitage Museum, St. Petersburg 2017

Aus diesen fremden Formeln entstehen somit eigene Ideen, die in rasch ausgeführte, erstaunlich modern anmutende Federzeichnungen einfließen und dann durch Ölskizzen ausgearbeitet werden. Damit eignet sich Rubens Schritt für Schritt die Kunst der Anderen in teils unerwarteter Weise an und macht sie zu seiner eigenen. Es entsteht ein riesiges Repertoire, aus dem er beständig Neues schöpft. Im ausgeführten Gemälde können daher Aussehen und Haltung eines antiken Kentauren, den Rubens in Rom studiert hat, zur Vorlage einer Christusdarstellung werden. Unerhört ist, wie die Gestalt des Erlösers hier mit jener des von Begierde getriebenen Mischwesens zu einem erotischen Körper verschmelzen kann. Solche spannungsreichen Verbindungen machen die Überzeugungskraft der Werke aus.

Die Quellen und Umformungsprozesse sind allerdings oft geschickt verborgen und erst auf den zweiten Blick ersichtlich: Die Ausstellung lädt nun zum Entdecken jener künstlerischen Zitate von Rubens ein. Im direkten Vergleich von Modell und Neuerfindung können die Besucherinnen und Besucher erfahren, dass Rubens’ Meisterschaft in seiner Wandlungskraft besteht.

Haupt der Medusa, um 1617/1618, Peter Paul Rubens, Kunsthistorisches Museum Wien

Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Städel Museums, Frankfurt am Main

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