Rüstung: Wams eines Edelknaben zur "Schwarzen Rüstung"

um 1555, Besitzer: Erzherzog Ferdinand II. Sohn des Ferdinand I. von Habsburg Österreich, Landesherr von Tirol

 

 

Wams eines Edelknaben zur "Schwarzen Rüstung"

Ab einem Alter von sieben bis zehn Jahren wurden Edelknaben als Pagen an befreundete Höfe geschickt, um eine ritterliche Ausbildung zu erhalten. Wichtig war dabei besonders das Erlernen der höfischen Benimmregeln und der ritterlichen Fertigkeiten. Auch Söhne von "widerspenstigen" Untertanen kamen an den Fürstenhof, um in der politisch und religiös korrekten Weise erzogen zu werden. Bei einem Auftritt während eines Turniers oder dem Einritt in eine Stadt führte der Fürst diese Pagen bei sich; sie waren beim Turnier dem Ritter in verschiedenster Weise behilflich. Wiedergegeben werden Turnierpagen beispielsweise auf dem Aquarell mit der Darstellung des Wiener Turniers von 1560 oder im Turnierbuch Erzherzog Ferdinands II. Für derartige Ereignisse wurden sie passend zur Rüstung ihres Herren und zur Decke seines Pferdes, der Caperation, eingekleidet. Dieses Kostüm für einen Edelknaben ließ Erzherzog Ferdinand II. um 1555 im Stil seiner schwarzgoldenen Rüstung und goldenen Caperation herstellen. In der Hofjagd- und Rüstkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien sind aus dieser Zeit auch Pagenkostüme in roter, blauer und grauer Farbe erhalten. Das Wams ist im Stil der spanischen Mode gestaltet und besteht aus schwarzem Samt mit Stehkragen und Achselstücken. Ein Kunsthandwerker namens Giovanni Battista Ligoza wird 1565 als Mantuaner Seidensticker am Hofe Ferdinands II. erwähnt. Er könnte das Wams mit den breiten, goldgelben Stoffapplikationen in Bandmuster verziert haben. Dazu trug der Page eine Pluderhose, die Spanische Heerpauke, und eine Sturmhaube, die ebenfalls mit schwarzem Samt bezogen und mit goldenen Applikationen verziert war. Halskrause und Hose wurden 1981 ergänzt. In älteren Katalogen wurde das Kostüm für jenes des "Knaben von Sternberg" gehalten. Dieser soll im 15. Jahrhundert mit seinem Pferd in der Nähe von Schloss Ambras einen derart großen "Sprung" gemacht haben, dass beide verstarben.

Derzeit nicht ausgestellt.

Objektdaten

Objektbezeichnung

Rüstung

Kultur

Mantua (?)

Datierung

um 1555

Hersteller/in

Giovanni Battista Ligoza , (Seidensticker) (erw. 1565, tätig in Prag)

Material/Technik

Samt, Goldborte

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer

Inv. Nr.

Hofjagd- und Rüstkammer, A 1378i

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