Achatschale

4. Jahrhundert

 

 

Achatschale

Die - inklusive der Henkel -aus einem einzigen Achatblock geschnittene Schale ist das größte erhaltene Werk der antiken Steinschneidekunst. Der Grund für ihre Wertschätzung war jedoch nicht ihre beeindruckende Größe oder die technische Vollkommenheit ihrer Ausführung, sondern eine rätselhafte Inschrift, die zuweilen in der Substanz des Steines sichtbar wurde. Tatsächlich handelt es sich um eine Besonderheit in der Maserung des Achats, die bei einer bestimmten Beleuchtung Formen erkennen lässt, die die Buchstaben "XRISTO" zu bilden scheinen (zu sehen in der Schalenhälfte, die am Rand gebändert ist - die Buchstaben sind etwa 3 cm hoch und beginnen links von der kleinen hellen Achatwolke mit konkaver Einbuchtung und reichen bis zum eckigen, weißen Fleckchen rechts). Dieses "Naturwunder" führte zu der Annahme, bei der Schale handle es sich um den sagenhaften Heiligen Gral - also jenes Gefäß, in welches das Blut Christi bei der Kreuzigung geflossen sein soll. Da das Sichtbarwerden der Maserung vom Lichteinfall abhängt, diese daher nicht immer zu erkennen ist, dachte man, dass die geheimnisvolle Schrift sich eben nur Auserwählten zeige, was die Mystik des Schale noch erhöhte. Die Achatschale ist etwa 1600 Jahre alt und dennoch in makellosem Zustand erhalten. Sie könnte am Hof Konstantins (306-337) entstanden sein und gelangte vermutlich bei der Eroberung Konstantinopels 1204 in den Westen. 1564 wird sie erstmals urkundlich erwähnt, als die Erben Kaiser Ferdinands I. die Schale zusammen mit dem so genannten "Ainkhürn" (Inv.-Nr. SK_WS_XIV_2) - einem riesigen Narwalzahn, den man für ein Einhorn hielt (vgl. dazu Inv.-Nrn. SK_WS_XIV_3 und SK_WS_XIa_2), - zu den beiden "unveräußerlichen Erbstücken des Hauses Österreich" erklärten. Man erachtete diese Stücke als so kostbar, dass sie keinem Mitglied des Hauses Habsburg persönlich gehören sollten (das sie am Ende vielleicht sogar verkaufen würde); sie sollten vielmehr, dem Vertrag zufolge, ewig im Besitz der Familie bleiben.

Derzeit ausgestellt: Kaiserliche Schatzkammer Wien Raum 8

Objektdaten

Objektbezeichnung

Gefäß; Schale

Kultur

Konstantinopel (?)

Datierung

4. Jahrhundert

Material/Technik

Stein, Achat

Maße

Dm. 58 bis 58,5 cm, Gewicht 10635 g

mit Henkel : 76 cm

Beschriftung

umstritten; verschiedene Lesarten !

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Weltliche Schatzkammer

Inv. Nr.

Schatzkammer, WS XIV 1

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