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Dieses Projekt, das bis Juni 2013 im Rahmen eines „Nationalen Forschungsnetzwerks“ (NFN) durchgeführt wurde, setzt sich die Erforschung der Münzprägung der Iranischen Hunnen und ihrer Nachfolger in Zentralasien und Nordwest-Indien zum Ziel.

Die Iranischen Hunnen – im Gegensatz zu den Europäischen Hunnen – sind ab dem späten 4. bis in das 8. Jahrhundert n. Chr. in Zentralasien greifbar, etwa vom südlichen Uzbekistan, über Afghanistan bis Nordwest-Pakistan. Sie treten dort als gefürchtete Gegner des Sasanidenstaates in Iran sowie des Guptareiches in Indien auf. Ihr Ursprung dürfte wohl im Gebiet der heutigen Mongolei zu suchen sein. Die Hunnen selbst haben kaum schriftliche Quellen hinterlassen, die Berichterstattung ihrer Gegner lässt freilich kein gutes Haar an ihnen und ist nicht dazu geeignet, uns über Geschichte und Kultur der Hunnen Klarheit zu verschaffen. Daher stellt die Münzprägung die mit Abstand wichtigste, authentische Quelle zur Erforschung der Iranischen Hunnen dar.

Bis heute sind uns über 300 Münztypen bekannt, die Einblick in das herrscherliche Selbstverständnis sowie Religion und Sprache der hunnischen Prägeherren gestatten. Ein besonderes Charakteristikum sind die durch Bandagen künstlich deformierten Schädel, wie sie tatsächlich im Zuge der Ausgrabungen in Taxila (NW-Pakistan) gefunden wurden, aber auch in völkerwanderungszeitlichen Gräbern Zentraleuropas begegnen. Hinzu treten verschiedene Kronen, die teils aus dem sasanidischen Formenkanon entlehnt, teils durch eigene Elemente ergänzt werden. Hervorzuheben ist etwa die Stierkopfkrone der Nezak-Könige, die auch in den chinesischen Quellen besondere Erwähnung findet. Die hunnischen Münzen sind in Baktrisch, Brahmi (Sanskrit) oder Pehlevi (Mittelpersisch) beschriftet und nennen Namen und Titel der einzelnen Fürsten. Selten ist auch der Prägeort vermerkt. Auch mehrsprachige Münzen kommen vor. Alleine aufgrund der Münztypen sind zumindest vier verschiedene Gruppen oder Clans der Iranischen Hunnen festzumachen: Es sind dies die Kidariten, Alchan, Nezak und Hephthaliten. Daran schließen die Prägungen der Westtürken an, die ursprünglich als Verbündete der Sasaniden gegen die Hunnen angetreten waren und diese um 560 n. Chr. besiegten. An der Wende vom 7. zum 8. Jahrhundert haben Westtürken und Hunnen gemeinsam gegen die arabischen Eroberer gekämpft.

Das numismatische Forschungsprojekt am Kunsthistorischen Museum hat sich nun zum Ziel gesetzt, die Münzprägung der Iranischen Hunnen und Westtürken auf Basis der umfangreichsten, je zusammengetragenen Materialsammlung einer gänzlichen Neubearbeitung zu unterziehen. Dabei sollen die einzelnen Münztypen in ihr ursprüngliches Prägesystem und ihre chronologische Abfolge zurückgeführt sowie in ihren politischen, wirtschaftlichen und kulturgeschichtlichen Kontext gestellt werden. In enger Zusammenarbeit mit Kunsthistorikern, Archäologen und Sprachwissenschaftlern soll letztendlich ein neues Standardreferenzwerk zur Münzprägung und Geschichte der Iranischen Hunnen geschaffen werden, das helfen soll eine versunkene Kultur wieder zum Leben zu erwecken.

Projekthomepage: athene.geo.univie.ac.at

 

Am ersten Dezember 2012 wurde zudem die Ausstellung „Das Antlitz des Fremden – Die Münzprägung der Hunnen und Westtürken in Zentralasien und Indien“ im Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums eröffnet.


Im Rahmen des Projekts sind bisher folgende Publikationen entstanden:

M. Alram, D. Klimburg-Salter, M. Inaba, M. Pfisterer (edd.), Coins, Art and Chronology II. The First Millennium C.E. in the Indo-Iranian Borderlands, Wien 2010.

J. A. Lerner, N. Sims-Wiliams, Seals, Sealings and Tokens from Bactria to Gandhara (4th to 8th century CE), with contributions by Aman ur Rahman and H. Falk, Wien 2011.

L. Treadwell, Craftsmen and coins: signed dies in the Iranian world (third to the fifth centuries AH), Wien 2011.

M. Pfisterer, Hunnen in Indien - Die Münzen der Kidariten und Alchan aus dem Bernischen Historischen Museum und der Sammlung Jean-Pierre Righetti, Wien 2013 (im Druck).

K. Vondrovec, Coinage of the Iranian Huns and their Successors.  From Bactria to Gandhara. Studies in the Aman ur Rahman Collection, Band 4. Wien 2014 (im Druck).


Am Projekt beteiligte Institutionen

Institut für Kunstgeschichte, Universität Wien
Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde, Universität Wien
Institut für Geographie und Regionalforschung, Universität Wien
Kunsthistorisches Museum Wien, Münzkabinett und Naturwissenschaftliches Labor
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Institut für Kulturgeschichte der Antike, Documenta Antiqua

Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens

Information

Projektleitung:
Univ. Doz. Dr. Michael Alram

Projektmitarbeit:
Dr. Klaus Vondrovec, Dr. Matthias Pfisterer

Finanzierung:
FWF Der Wissenschaftsfonds (Projekt-Nr. S 9806-G08).