Kunstgeschichten

Die hier nach und nach versammelten Kurztexte stellen jeweils ein Kunstwerk vor. Mit ihnen klingen an: Herzenswärme, Mut und Frieden, Grausamkeit, Schwäche und Krieg. Sollten Sie angesichts des von Menschenhand und –hirn geschaffenen Reichtums Feuer fangen und Freundschaften schließen, so ist ihr Besuch im Kunsthistorischen Museum herzlich willkommen. Unsere Originale sind in den Sammlungsräumen bestens aufgestellt.

Themen derzeit: #Momente, Objekte, Geschichten aus der 125-Jährigen Geschichte des Kunsthistorischen Museums, Marienbilder aus der Ich-Perspektive: #Ich bin Maria und, anlässlich des österreichischen EU-Ratsvorsitzes: #Menschenbilder Europas.

Zwischen Tod und Auferstehung - oder: Auf zu neuen Ufern.

Zacharias Hegewald
Toter Christus
Dresden
um 1630
KHM, Kunstkammer, Inv.-Nr. KK 3891

 

 

 

Christus liegt auf einem großen, von Falten durchzogenen Tuch. Wie mit letzter Kraft scheint er in den Stoff zu greifen, so dass sich um die Fingerkuppen seiner linken Hand feine Mulden bilden.

Noch wirkt die Haut des muskulösen Körpers angespannt.

Furienmeister
Phönix mit ausgebreiteten Schwingen
Elfenbein
Salzburg (?)
um 1610/20
KHM, Kunstkammer, Inv.-Nr. KK 3721



Die Phase zwischen Tod und Auferstehung ist für den gläubigen Betrachter von besonderer Atmosphäre geprägt, denn in die tief empfundene Trauer über den schmerzhaften Tod am Kreuz mischt sich bereits das erlösende Wissen um die Auferstehung.

Virtuos kombiniert Hegewald unterschiedliche künstlerische Konzepte: der harmonisch proportionierte Körper geht letztlich auf italienische Einflüsse zurück, während die naturalistischen Oberflächen und kleinteilig gestalteten Falten am Lendentuch auf ältere, mitteleuropäische Traditionen zurückgehen.

geschrieben von Cäcilia Bischoff am 16.9.2018 in #Menschenbilder Europas
to top