Kunstgeschichten

Die hier nach und nach versammelten Kurztexte stellen jeweils ein Kunstwerk vor. Mit ihnen klingen an: Herzenswärme, Mut und Frieden, Grausamkeit, Schwäche und Krieg. Sollten Sie angesichts des von Menschenhand und –hirn geschaffenen Reichtums Feuer fangen und Freundschaften schließen, so ist ihr Besuch im Kunsthistorischen Museum herzlich willkommen. Unsere Originale sind in den Sammlungsräumen bestens aufgestellt.

Themen derzeit: #Momente, Objekte, Geschichten aus der 125-Jährigen Geschichte des Kunsthistorischen Museums, Marienbilder aus der Ich-Perspektive: #Ich bin Maria und, anlässlich des österreichischen EU-Ratsvorsitzes: #Menschenbilder Europas.

Helles Licht

Jacob van Oost, Anbetung der Hirten (Im Hintergrund der Hl. Franz von Assisi), um 1645, Inv.-Nr. GG 753

Hirten waren des Nachts mit dem Schutz ihrer kostbaren Herde beschäftigt. Auf freiem Feld, wie man sagt. Ein himmlischer Bote unterbrach die Schäferidylle: in Bethlehem sei ein Kind geboren, sie sollten es besuchen, denn es sei der Messias. Sie würden es in Windeln gewickelt in einer Krippe vorfinden.

Der enge Raum ist voller Menschen: Joseph steht links hinten im Schatten, wie immer eigentlich. Daneben, von etwas mehr Licht beschienen, der heilige Franz von Assisi. Wie ich zugeben muss, ist er aus für mich nicht ganz transparenten Gründen anwesend.

 

Willkommen.

Vielleicht hat sich mein Auftraggeber diesen vom Bibeltext abweichenden Personaleinsatz gewünscht.

Nun liegt er da.

In einer Krippe aus einfachen Holzlatten, darin ein wenig Stroh, ein Ledertuch, um Feuchtigkeit und stacheligen Untergrund vergessen zu machen, schließlich ein großzügig strahlend weißes Tuch, das, als wäre die Krippe bereits der Altar, an den Seiten herunterfällt. Ich halte einen Zipfel des Tuches empor - schützend, deutend und liebevoll. 

 

Jesus scheint in strahlendes Licht getaucht – oder ist er selbst die Lichtquelle?

Von rechts oben leuchtet es: auf ihn, auf seine Krippe. Auch auf mein Gesicht und mein Gewand, auf den prächtigen Kopf des Ochsen (er scheint zu kontrollieren, ob niemand das Weihnachtswunder missachtet), auf die Utensilien am linken Bildrand, auf das unterhalb der Krippe verharrende, gefesselte Schaf, auf den Rücken des ältesten Hirten und in das runde Gesicht seines jüngeren Begleiters, der aus dem Bild herausblickt. Und auch der Schäfer-Hund rechts außen wird noch bedacht. Er schaut in meine Richtung – denn ich habe schließlich etwas herzuzeigen.

Ein herrliches Kind – so sanft und wohlgenährt, so freundlich im Ausdruck und furchtlos – alle Blicke sind auf ihn gerichtet, Scheu vor den Menschen ist ihm nicht anzumerken.

Alles ist friedlich.
Auch die Könige werden noch kommen. Und mit gleichen Ehren empfangen. Jesus ist für alle da.

geschrieben von Cäcilia Bischoff am 28.8.2017 in #Ich bin Maria
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