Kunstgeschichten

Die hier nach und nach versammelten Kurztexte stellen jeweils ein Kunstwerk vor. Mit ihnen klingen an: Herzenswärme, Mut und Frieden, Grausamkeit, Schwäche und Krieg. Sollten Sie angesichts des von Menschenhand und –hirn geschaffenen Reichtums Feuer fangen und Freundschaften schließen, so ist ihr Besuch im Kunsthistorischen Museum herzlich willkommen. Unsere Originale sind in den Sammlungsräumen bestens aufgestellt.

Themen derzeit: #Momente, Objekte, Geschichten aus der 125-Jährigen Geschichte des Kunsthistorischen Museums, Marienbilder aus der Ich-Perspektive: #Ich bin Maria und, anlässlich des österreichischen EU-Ratsvorsitzes: #Menschenbilder Europas.

Eine Warnung zur rechten Zeit

Georg Petel (Elfenbeinschnitzer) und
Andreas I. Wickert (Goldschmied)
Deckelhumpen mit trunkenem Silen
Augsburg
1629
KHM, Kunstkammer, Inv.-Nr. KK 4519

Georg Petel, im oberbayerischen Weilheim geboren, besuchte im Laufe seines Lebens unter anderem Antwerpen, Paris, Genua und Rom.

Nach diesen Reisen ließ er sich in Augsburg nieder, das zu seiner Zeit die führende Exportmetropole kunsthandwerklicher Luxuswaren war.

 

Mit dem berühmtesten Barockmaler nördlich der Alpen, Peter Paul Rubens, pflegte Petel eine solide Freundschaft.

Auf Rubens' Vorbild und Ästhetik gehen die gleichsam in Endlosschleife um das Gefäß herumlaufenden Motive zurück:

Im Zentrum steht der trunkene Silen. Bocksbeinige Satyrn, männlich wie weiblich, halten ihn mühsam auf den Beinen.

Musik und Tanz verstärken den kollektiven Rausch.

Wer es übertreibt, dem drohen Verdummung, Verrohung und Wollust zur falschen Zeit.

Die künstlerische Umsetzung spiegelt diese Themen, statt sie nüchtern vorzuführen: Elfenbein ist ein prachtvolles Material, ineinandergreifende, stark plastische Formen, naturalistische Oberflächen und ungeschönte Körperformen schmücken das luxuriöse Trinkgefäß.

geschrieben von Cäcilia Bischoff am 18.9.2018 in #Menschenbilder Europas
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