Kunstgeschichten

Die hier nach und nach versammelten Kurztexte stellen jeweils ein Kunstwerk vor. Mit ihnen klingen an: Herzenswärme, Mut und Frieden, Grausamkeit, Schwäche und Krieg. Sollten Sie angesichts des von Menschenhand und –hirn geschaffenen Reichtums Feuer fangen und Freundschaften schließen, so ist ihr Besuch im Kunsthistorischen Museum herzlich willkommen. Unsere Originale sind in den Sammlungsräumen bestens aufgestellt.

Themen derzeit: #Momente, Objekte, Geschichten aus der 125-Jährigen Geschichte des Kunsthistorischen Museums, Marienbilder aus der Ich-Perspektive: #Ich bin Maria und, anlässlich des österreichischen EU-Ratsvorsitzes: #Menschenbilder Europas.

Ein fragiles Verhältnis

Hubert Gerhard, Mars, Venus und Amor
München (?), um 1580/90, KHM, Kunstkammer, Inv.-Nr. 5848

Liebe und Krieg werden als Paar präsentiert, inmitten der beiden antiken Gottheiten hat sich Amor, der geflügelten Liebesgott, einen scheinbar sicheren Platz erkämpft. Solange er dabei ist, herrscht Frieden.

Die dialektische Pointe des antiken Mythos: zur gemeinsamen Tochter des ungleichen Paares wurde die Harmonie erkoren.

Mit verführerischen Reizen zügelt Venus die Kräfte des Mars.

Die Faszination des kunstsinnigen Publikums für das fragile Verhältnis war stabil: kaum ein anderes Liebesverhältnis wurde so oft dargestellt.

Der niederländische Künstler Hubert Gerhard schöpft nahezu alle Möglichkeiten eines dreidimensionalen Kunstwerkes aus:

Auf den ersten, frontalen Blick scheinen die Gliedmaßen der nackten Gestalten ein unübersichtlicher Block zu sein, doch startet man einen Rundgang um die Bronze, so entwickelt sich ein komplexes Spiel von Anziehung und Abwehr.

Nicht nur mit seinem linken Bein bemüht sich Mars, Venus von seinen Qualitäten zu überzeugen, während er das flammende Herz fixiert, das Venus in Reichweite hält.

Peter Paul Rubens, Die Schrecken des Krieges, 1637/38, Florenz, Palazzo Pitti

Peter Paul Rubens, der große Barockmaler und Zeitzeuge des 30jährigen Krieges, erzählte diese Variante der Liebesgeschichte:  Venus versucht hier vergeblich, den in voller Rüstung erschienenen Mars aufzuhalten: er folgt der Furie "Alecto" in den Kampf, Amor ist machtlos, die schwarz gekleidete Europa wird Zeugin der entsetzlichen Entwicklung.

Aber auch die Treue der Venus ist nicht garantiert: sie ist verheiratet - mit einem zwar wenig attraktiven, aber bedeutenden Mann: der kräftige Vulkan stellt unermüdlich die Waffen und Rüstungen für die Göttergemeinschaft her ... 

geschrieben von Cäcilia Bischoff am 8.11.2018 in #Menschenbilder Europas
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