Kunstgeschichten

Die hier nach und nach versammelten Kurztexte stellen jeweils ein Kunstwerk vor. Mit ihnen klingen an: Herzenswärme, Mut und Frieden, Grausamkeit, Schwäche und Krieg. Sollten Sie angesichts des von Menschenhand und –hirn geschaffenen Reichtums Feuer fangen und Freundschaften schließen, so ist ihr Besuch im Kunsthistorischen Museum herzlich willkommen. Unsere Originale sind in den Sammlungsräumen bestens aufgestellt.

Themen derzeit: #Momente, Objekte, Geschichten aus der 125-Jährigen Geschichte des Kunsthistorischen Museums, Marienbilder aus der Ich-Perspektive: #Ich bin Maria und, anlässlich des österreichischen EU-Ratsvorsitzes: #Menschenbilder Europas.

1967: Passage

© KHM-Museumsverband, Archiv

Schaufensterdekorateure waren die kreative Elite in den großen Kaufhäusern der 60er und 70er Jahre. In den Handelsketten durchliefen sie ihre Lehre und wurden nicht selten später Fotografen, Grafiker oder in seltenen Fällen auch berühmte Künstler.

Das KHM bespielte in den 1960er Jahren eine der Vitrinen in der einstigen „Babenbergerpassage“. Diese war 1961 unter der Ringstrasse, an der Einmündung der Babenbergerstrasse nach Plänen von Adolf Hoch „zwecks Verbesserung der Verkehrssituation“ errichtet worden.

© KHM-Museumsverband, Archiv

„Die Auslage in der Babenbergerstrasse bedarf der Erneuerung. Die einzelnen Sammlungen werden abwechselnd die Unterlagen zur Verfügung stellen, etwa alle drei Monate soll gewechselt werden. Da die Passage in der Nacht nicht bewacht wird, können wegen der Gefahr der Beschädigung oder des Diebstahls keine Originalobjekte ausgestellt werden. (…) Da die Waffensammlung (..) derzeit nicht ausgestellt [ist] und es daher wenig Sinn hätte, dafür Propaganda zu machen, wird als erste Sammlung die Ägyptische Sammlung Unterlagen zur Verfügung stellen.“
(Direktorensitzung, 13.3.1967, 15-17:30 Uhr, KHM-Museumsverband, Archiv)

(c) Passage

Heute längst für den öffentlichen Fußgängerverkehr geschlossen, erinnert  noch der Name des dort seit 2003 etablierten Clubs an den einstigen Traum von der autogerechten Stadt – und man erkennt dort noch immer die signifikante, von unregelmäßige Dreiecken geprägte Deckenkonstruktion.

Mit heutigen Augen betrachtet, haben vor allem die Kombination von Leuchtreklame und redundanter Wiederholung des Plakatmotivs einen großen Charme.

Geworben wurde damals für die erste Abendöffnung der Galerie. Von 20-22 Uhr konnte man einst Dienstags und Freitags durch eine Kunstgeschichte der Bilder schlendern.

geschrieben von Cäcilia Bischoff am 22.5.2018 in #Momente, Objekte, Geschichten
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