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Technologische Studien

Band 6/2009

Inhalt

Kontrollierter Luftwechsel – der Schlüssel für ein nachhaltiges Klimamanagement

Alfons Huber

Im Jänner 2009 wurde dem Autor von der Geschäftsführung des KHM der Auftrag erteilt, detailliert ein bereits seit 1991 in Grundzügen entwickeltes und 2004 erstmals vorgelegtes Gesamtklimakonzept für die Neue Burg auszuarbeiten.

Aufgrund der sehr komplexen baulichen und administrativen Gegebenheiten war dieses Konzept von Anfang an in einzelne Module gegliedert, die unabhängig voneinander realisiert werden können und sich zuletzt zu einem großen Ganzen zusammenfügen sollen. Im Zentrum der Bemühungen steht die Reaktivierung des originalen Lüftungssystems, des sog. „Luftbrunnens“, im Corps de Logis. Dieser Beitrag behandelt zunächst als ein weiteres grundlegendes Modul des Projekts das gezielte Nachdichten der Gebäudehülle, dessen Realisierung als Voraussetzung für das Funktionieren des Luftbrunnens in der Neuen Burg anzusehen ist. Anschließend werden die Grundzüge des Klimakonzepts bzw. dessen weitere Module vorgestellt, die innerhalb der nächsten Jahre Schritt für Schritt evaluiert und umgesetzt werden sollen.

„Ein Monster aus Gold und Federn“. Materialtechnische Untersuchungen und konservatorische/restauratorische Maßnahmen am aztekischen Federschild in Wien

Renée Riedler

Der aztekische Federschild, Teil der Sammlung des Museums für Völkerkunde Wien, ist eines der letzten präkolumbianischen oder kolonialen Objekte, die von den amantecas in der so genannten Federmosaiktechnik hergestellt wurden. Die Herstellungstechnik und die verwendeten Materialien wurden auf der Basis bearbeiteter historischer Texte, von Manuskripten und anhand vergleichbarer Federmosaikobjekte rekonstruiert.

Umfassende Untersuchungen der komplexen Techniken des Federmosaiks selbst, des flexiblen Federkranzes und des Federsaums wurden durchgeführt. Zur Vertiefung wurden in Kooperation mit Naturwissenschaftlern weiterführende Analysen der organischen und anorganischen Materialien vorgenommen.

Antonello da Messina between Sicily and Venice: The San Cassiano Altarpiece. Technical Examinations and Comparisons

Gianluca Poldi

Antonello da Messino schuf um 1774/75 für die Kirche von San Cassiano eine der berühmtesten und kunsthistorisch wichtigsten Altartafeln der venezianischen Malerei des 15. Jahrhunderts.

Sie wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts aus der Kirche entfernt und in fünf Teile zerlegt; später gelangten einzelne Tafeln in die Kunstsammlung des Erzherzogs Leopold Wilhelm in Brüssel und wurden zusammen mit dieser nach Wien verbracht; im 20. Jahrhundert wurden die drei erhaltenen Fragmente zu dem heutigen Bild zusammengefügt. Aus dieser komplexen Provenienz erklärt sich auch der schlechte Erhaltungszustand des Bildes mit zahlreichen Malschichtverlusten und Retuschen.

Konservierung/Restaurierung eines Petit Armoire von André-Charles Boulle aus den Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein, Liechtenstein Museum, Wien

Susanne M. Käfer und Wolfgang Schwarzkogler

Der Beitrag gibt eine kurze Einleitung zum Leben und Wirken von André-Charles Boulle und geht dann im Besonderen auf den so genannten Petit Armoire aus der Sammlung Liechtenstein ein.

Anhand dieses Möbelstückes wird die nach André-Charles Boulle benannte „Boulle-Technik“ dargestellt, eine von ihm bis zu höchster Perfektion vollendete Methode, bei der unterschiedliche Materialien wie Schildpatt, Metall, Holz und Elfenbein an einem Objekt kombiniert werden. Es wurden Untersuchungen sowohl zur Provenienz als auch zur Technologie und zum Zustand des Stückes vorgenommen. Detailliert dargestellt werden die verwendeten Materialien, die Konstruktion und die Arbeitstechniken des Schrankes.

Anhand der festgestellten Schäden wurde ein Restaurierungskonzept erarbeitet; die Überlegungen zu den durchgeführten konservatorischen Maßnahmen werden erörtert und dargestellt.

Die Konstruktion von Kastensärgen aus Holz in der Ägyptischen Sammlung des Kunsthistorischen Museums, Wien.
Teil I. Särge des Alten und des Mittleren Reiches

Elfriede Haslauer

Kastenförmige Särge wurden im Alten und im Mittleren Reich verwendet – mumienförmige Särge kamen erst im Mittleren Reich als Innensärge auf. Sie waren aus Stein oder für Privatpersonen meistens aus Holz. Bei aufwendigeren Bestattungen waren zwei Särge ineinander geschachtelt. Die Ägyptische Sammlung in Wien bekam durch Fundteilung aus den Grabungen im Friedhof bei den Pyramiden in Giza neben zwei Sarkophagen aus Stein auch einige Särge aus Holz. Es sind dies zwei Doppelsärge, zwei kurze Särge und Fragmente mit Inschriften von zwei Särgen, die in sehr schlechtem Erhaltungszustand waren.

Charakteristisch für Holzkonstruktion im Alten Reich ist die Verschnürtechnik. Die einzelnen Teile wurden aneinandergefügt, mittels Schnüren, Lederriemen oder Kupferdraht verbunden und durch Dübelung stabilisiert. Diese Technik ist unabhängig von der Größe des Objektes, reicht vom Kästchen bis zum Boot.

Im Mittleren Reich kam man von der Verbindung durch Schnürung ab, doch werden die einzelnen Wandteile z. B. eines Sarges in gleicher Art wie im Alten Reich zugeschnitten, dann jedoch mit Dübelbrettchen und Holzstiften zusammengebaut.

Dendrochronologische Datierung von Streichinstrumenten des 15. und 16. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung der Geigenbauer Linarolo und Ciciliano

Micha Beuting

Ausgehend von der jahrringanalytischen Untersuchung einer Lira da braccio des Musikinstrumentenmuseums Berlin und sich daraus ergebenden Widersprüchen bei der zeitlichen Einordnung wurden 18 Saiteninstrumente erneut dendrochronologisch bestimmt. In dieser untersuchten Instrumentengruppe finden sich vor allem Instrumente der Geigenbauer Linarolo und Ciciliano.

Der Beitrag beschreibt die Vorgehensweise bei der zeitlichen Einordnung der Deckenhölzer unter Zuhilfenahme zahlreicher Jahrringchronologien der Labore von Dr. Micha Beuting, des Zentrums Holzwirtschaft der Universität Hamburg, der Universität für Bodenkultur in Wien und des Amts für Städtebau der Stadt Zürich.

Die Jahrringstrukturen und die jeweiligen Datierungsergebnisse werden für jedes Instrument ausführlich dargestellt. Dabei wurde für fünf der Instrumente die bisher angenommene Datierung bestätigt, vier Instrumente konnten erstmals datiert werden. Für neun Instrumente, die zu Beginn der 1980er Jahre untersucht wurden, muss jedoch die ehemalige zeitliche Einordnung korrigiert werden. Durch die bisherigen Datierungen wurde das Holz dieser Instrumente vorwiegend in das 16. Jahrhundert eingeordnet, nun kann es aber größtenteils dem 15. Jahrhundert zugerechnet werden.

Die Notwendigkeit, im Rahmen einer wissenschaftlich fundierten Methode erzielte Ergebnisse zu korrigieren, ist eine große Seltenheit und erklärt sich im vorliegenden Fall aus dem Umstand, dass die betreffenden Messungen in die Frühphase der Dendrochronologie an Musikinstrumenten fallen. Die schon damals zum Standard gehörenden Methoden Gleichläufigkeitsstatistik und optischer Vergleich der Sequenzen sind bis heute unerlässliche Bestandteile einer sorgfältigen dendrochronologischen Untersuchung, doch werden sie heute durch weitere entscheidend ergänzt: verbesserte t-Wertstatistiken, erweiterte Datenbankfunktionen, gesteigerte Rechnerleistungen und vor allem durch die Möglichkeit des Kreuzvergleichs, also eines systematischen Vergleichs aller verfügbaren Jahrringsequenzen untereinander.

Zur Konservierung und Restaurierung von Marco Basaitis "Berufung der Söhne des Zebedäus"

Sylvia Ferino-Pagden und Michael Odlozil

Die Einbeziehung dieses Werkes in die Ausstellung Bellini – Giorgione – Tizian und die Renaissance der venezianischen Malerei (Wien, Kunsthistorisches Museum, 2006) hat die Restaurierung des Gemäldes ermöglicht und dank der vorausgehenden technologischen Untersuchungen auch Marco Basaitis ungewöhnliche Bildkonstruktion (und -entwicklung) zum Vorschein gebracht. Allein schon der illusionistische Architekturrahmen im Bild, an dessen Säulen zwei befremdliche steinerne Wesen turnen, macht das Gemälde zu einem der frühesten venezianischen trompe l’œils.

Das Thema der Berufung der Söhne des Zebedäus malte Basaiti aber bereits 1510 als große Altartafel für die Kirche der Kartause von Sant’Andrea del Lido in der Lagune Venedigs. Zwischen diesen beiden Gemälden besteht eine starke kompositorische Verwandtschaft, wie dies auch die strahlentechnischen Untersuchungen zeigen. Obwohl er die Komposition aus Venedig auf die kleinere Tafel übernahm, entwickelte Basaiti während des Malprozesses vor allem im Hintergrund eine eigenständige Version des Themas.

Die Konservierung und Restaurierung des Gemäldes beinhaltete die Festigung von Malschichtlockerungen, die Reduzierung gegilbter Firnisse und späterer Überarbeitungen sowie die Retusche von Oberflächenbeschädigungen und optisch störenden Bereichen. Zudem wurde ein neuer Zierrahmen aus dem Rahmendepot des KHM adaptiert.

Buch
Technologische Studien, Band 6
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