Cerca ...

SYLLOGE NUMMORUM SASANIDARUM (SNS)

Die Münzen der Sasaniden sind eine einzigartige Quelle für die Erforschung der Geschichte des Sasanidenstaates, der über 400 Jahre lang die Geschicke Mittelasiens mitbestimmte und zeitweise ein bedeutender Gegenspieler des römischen Reiches war. Neben den spärlichen literarischen Zeugnissen sowie der archäologischen Hinterlassenschaft zählen die sasanidischen Münzen, die in besonders reichem Maße überliefert sind, zu den Hauptquellen für die Erforschung der sasanidischen Geschichte. In Bild und Schrift geben sie Auskunft über Herrscherfolge und Usurpationen, Außenpolitik, Organisation des Reiches und seine Verwaltung, religiöse Strukturen sowie die wirtschaftlichen Verhältnisse.

Ein besonderer Stellenwert kommt den auf den Münzen dargestellten Kronen zu, die das Leitfossil der sasanidischen Kunstgeschichte bilden. Darüber hinaus sind die sasanidischen Münzen aber auch eine nicht zu unterschätzende Quelle für die Kenntnis der mittelpersischen Schrift und Sprache. Das typologische Grundgerüst für die Ordnung der sasanidischen Königsmünzen hat Robert Göbl in seiner im Jahre 1968 (engl. 1971) erschienenen Sasanidischen Numismatik vorgelegt. Mit der Rekonstruktion des Prägesystems unter Shapur II. hat Göbl 1984 schließlich auch die erste Strukturanalyse im Rahmen der sasanidischen Numismatik publiziert. Die Rekonstruktion der Prägesysteme im Detail ist ein seit langem ausstehendes Desiderat der sasanidischen Numismatik. Grundbedingung dabei und eines ihrer vordringlichsten methodischen Probleme ist die Klärung der vielschichtigen Münzstättenfrage. Unabdingbare Voraussetzung dafür wiederum ist eine möglichst breite Materialbasis, die sich nicht nur aus Fundkomplexen sondern vordringlich aus den systematisch gebildeten und langzeitlich gewachsenen öffentlichen Sammlungen zusammensetzt. Gerade Europa besitzt eine Reihe bedeutender Sammlungen sasanidischer Münzen, die bis heute jedoch nur zu einem geringen Teil publiziert worden sind. Die erste und eine der wenigen bisher komplett veröffentlichten Sammlungen ist jene des Koninklijk Penningkabinet in Leiden, die Göbl 1962 publizierte. Schon damals wurde auf die Notwendigkeit größerer Sammlungspublikationen hingewiesen, die im Bereich der griechischen und römischen Numismatik längst zum anerkannten Bestandteil der numismatischen Grundlagenforschung zählen. Das vorliegende Projekt setzt sich zum Ziel, die Bestände an sasanidischen Münzen der Bibliothèque nationale de France, des Berliner Münzkabinetts sowie des Münzkabinetts am Kunsthistorischen Museum in Wien zu publizieren. Es soll damit ein Basiswerk geschaffen werden, das alle Facetten der sasanidischen Münzprägung beleuchtet und eine unabdingbare Grundlage für weiterführende numismatische, historische, kunsthistorische und wirtschaftshistorische Forschungen bildet.

Die Gesamtzahl von sasanidischen Münzen in den drei Museen beläuft sich auf etwa 12.000 Stück. Nach Prägeherren wurde das Material folgendermaßen aufgeteilt und einzelnen Bänden und Bearbeitern zugewiesen:

  • Band I: M. Alram (Wien) / R. Gyselen (Paris): Ardashir I., Shapur I. (224-272)
  • Band II: M. Alram (Wien) / R. Gyselen (Paris): Ohrmazd I. – Ohrmazd II. (272-309)
  • Band III: N. Schindel (Wien): Shapur II. – Kawad I./ 2. Regierung (309-531)
  • Band IV: N. Schindel (Wien): Khusro I., Ohrmazd IV. (531-590)
  • Band V/1, V/2: C. Cereti (Rom) / N.N.: Khusro II., Wahram VI., Wistam (590-628)
  • Band VI: R. Gyselen (Paris): Kawad II. – Yazdgerd III. (628-651); arabosasanidische Prägungen.

Erschienen sind bisher die Bände I, II,  und III.
Die Arbeiten an den Bänden IV, V und VI  sind im Laufen. Exemplarisch für den Erfolg der Reihe ist der Umstand zu werten, dass die Autoren von Band I, Michael Alram und Rika Gyselen, mit dem Roman und Tania Ghirshman-Preis der Académie des inscriptions et belles-lettres (Paris) und dem Gilljam-Preis der Royal Numismatic Society (London) ausgezeichnet wurden.


Ardaschir I. (Vorderseite)
Ardaschir I. (Rückseite)
Kawad I. (Vorderseite)
Kawad I. (Rückseite)
Khusro II. (Vorderseite)
Khusro II. (Rückseite)

Am Projekt beteiligte Institutionen:

Akademie der bildenden Künste, Institut für Wissenschaften und Technologien in der Kunst, Wien.
Bibliothèque nationale de France, Cabinet des Médailles, Paris.
Centre national de la recherche scientifique (CNRS), Mondes iranien et indien, Ivry-sur Seine.
Department of Near Eastern Languages and Civilizations, Harvard University.
Kunsthistorisches Museum Wien, Münzkabinett und Naturwissenschaftliches Labor.
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Institut für Kulturgeschichte der Antike, Documenta Antiqua, Wien
Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett.

Information

Projektleitung:
Univ.-Doz. Dr. Michael Alram
(Kunsthistorisches Museum Wien, Münzkabinett)
Dr. Rika Gyselen
(Centre national de la recherche scientifique, Mondes iranien et indien).

Internes KHM-Forschungsprojekt

 

to top