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Harnischgarnitur: Doppelstücke zum Reiterharnisch (Küriss)

1539/1540, Besitzer: Franz I. von Frankreich

 

 

Doppelstücke zum Reiterharnisch (Küriss)

1539 wurden von Kaiser Ferdinand I. für König Franz I. von Frankreich ein Doppelküriss und ein "geringer Küriss in Veld" (Feldküriss) als Geschenk bestellt. Der Hofplattner Jörg Seusenhofer reiste nach Paris, um die Maße des Königs zu nehmen. An der graphischen Verzierung beteiligten sich außer Degen Pirger noch drei andere Ätzmaler, vermutlich Paul Dax, Hans Polhaimer d. Ä. und Hans Polhaimer d. J., was leichte Abweichungen innerhalb der Ziermotive, besonders beim Feldküriss, erklärt. 1540 verschlechterten sich die politischen Beziehungen; das Geschenk wurde zwar fertiggestellt, aber nicht mehr abgeschickt. Im 16. Jahrhundert kam das System der Garnituren auf, demzufolge man den Feldküriss mit Wechselstücken ergänzen konnte. Mit der Übersiedlung der Ambraser Sammlung nach Wien gelangten die Doppelstücke für das Freiturnier und das Plankengestech in die österreichische Hauptstadt. 1805 brachte Napoleon den Küriss (ohne die Doppelstücke) nach Paris, wo sich die Rüstung noch heute befindet (Musée de l'Armée, Inv.-Nr. G 117). In Wien blieben die Verstärkungsstücke für die verschiedenen Turnierarten. Beim Freiturnier handelte es sich um einen Gruppenkampf zu Pferd in verstärkter Feldausrüstung mit Lanzen und Schwertern. Das Plankengestech war ein Zweikampf zu Pferd in einer Spezialausrüstung, die man auf den Feldküriss schraubte. Bei dieser Form des Turniersportes versuchte man, den Gegner mit einer schweren, stumpfen Lanze aus dem Sattel zu werfen. Dabei waren die beiden Pferde durch eine Planke, die auch Pallia genannt wurde, getrennt. Franz I. wurde als Nachfolger Ludwigs XII. König von Frankreich. Letzten Endes völlig erfolglos führte Franz um Mailand und Neapel vier Kriege, wobei er mit Kaiser Karl V. um die Vormachtstellung in Italien kämpfte. Franz I. wurde in der Schlacht von Pavia 1525 gefangen genommen und kam erst mit dem Frieden von Madrid 1526 frei. In einer kurzen Periode des Friedens von 1538-1542 zwischen den Habsburgern und Franz I. ist unser Harnisch entstanden. Die Verschlechterung der Beziehungen verhinderte die Übergabe des Geschenkes an den französischen König.

Location: Neue Burg, Hofjagd- und Rüstkammer Saal III

Object data

Object Name

Harnischgarnitur

Culture

Innsbruck

Dated

1539/1540

Besitzer

Franz I. von Frankreich (1494 - 1547) - GND

Hersteller/in

Jörg Seusenhofer , (Plattner) (1528 - 1580, tätig in Innsbruck) - GND

Degen Pirger , (Ätzer) (erw. 1537, gest. 1558, tätig in Innsbruck)

Material

Blankes, geschmiedetes, teilweise auch getriebenes Eisen, versehen mit teilweise feuervergoldetem, tiefgätztem Dekor. Leder. Rote Atlaseide. Verschraubungen mit feuervergoldeten Kappen.

Markings

Jörg Seusenhofer
Degen Pirger

Bildrecht

Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer

Inv. No.

Hofjagd- und Rüstkammer, B 147

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