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Die Altdorfer-Tafeln von St. Florian in der Restaurier- und Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts

Manfred Koller
Robert Eigenberger und Schüler an der Akademie um 1957. (Nach: Ausstellungskatalog Dr. Robert Eigenberger, Wien 1980.)
Cesare Brandi um 1951. (Nach C. Brandi, Theorie der Restaurierung, München 2006.)
Albrecht Altdorfer, Sebastians-Altar, Passionstafeln in der Aufstellung von 1957–2000. St. Florian, OÖ, Stiftsmuseum.
Zusammenfassung Das heutige Aussehen der bis 1518 von Albrecht Altdorfer für die Stiftskirche in St. Florian, Oberösterreich, gemalten Tafelbilder eines Sebastians-Altares (heute im Stiftsmuseum, zwei Predellenbilder im Kunsthistorischen Museum) geht auf die 1938 für die Ausstellung Altdeutsche Kunst im Donauland, Wien 1939, unter Leitung von Prof. Dr. Robert Eigenberger von der Akademie der bildenden Künste durchgeführte Restaurierung zurück. Nach der Kriegsbergung stellten 1946 Gutachter der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums verschiedene Oberflächenschäden fest und warfen Prof. Eigenberger eine zu radikale Abnahme des dunklen Firnisses – den bis 1938 aber alle Kunsthistoriker kritisiert hatten – und Nachteile durch die Regeneration mit Hilfe von Cyclohexanon vor. Laborbefunde Prof. Strebingers ergaben 1949 Trübungen und Schimmelbefall als Folge der Klimabelastungen während der Kriegsbergungen. Zur Vermittlung im erbitterten Streit zwischen Eigenberger und dem Leiter der Wiener Gemäldegalerie Ludwig von Baldass und Galerierestaurator Josef Hajsinek lud 1951 das Bundesdenkmalamt den Leiter des Istituto Centrale del Restauro in Rom Cesare Brandi nach Wien und St. Florian für ein Gutachten ein. Brandi äußerte zwar Kritik an der fehlenden methodischen Überprüfbarkeit und der mangelnden Dokumentation, entkräftete jedoch die Schadensvorwürfe. Die aus heutiger Sicht einseitige Position beider Seiten hat ihre Wurzeln in Differenzen in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft 1938 bis 1945, wobei die politische und kulturelle Isolierung Wiens damals und in den Nachkriegsjahren zu einer vollständigen Ignoranz der internationalen Entwicklungen führte. Auch die beiden Phasen der “Cleaning controversy” als Folge der Ausstellungen der National Gallery in London von 1949 und 1961 fanden in Wien weder in der Restauratorenausbildung noch in der Fachdiskussion irgendeinen Niederschlag. Eine erste aktuelle optische Begutachtung der Altdorfer-Tafeln und ihre Untersuchung mittels UV-Licht erbrachten keinerlei Beweise für eine Überreinigung oder für Substanzverluste, doch steht eine systematische Untersuchung mit genauen Materialanalysen bis heute noch aus.