Agnolo Bronzino, Hl. Familie mit hl. Anna und Johannesknaben vor der Restaurierung. Um 1545/46. Pappelholz, 124,5 x 99,2 cm. Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie
Die in der Infrarotreflektographie sichtbaren Linien und Farbflächen dokumentieren den ursprünglichen Verlauf mancher Inkarnatflächen und den Prozess der Veränderung, die früheren Bildversionen sind durch farbige Linien hervorgehoben.
Röntgenaufnahme der Hl. Familie mit hl. Anna und Johannesknaben in Wien, KHM.
Zusammenfassung
Bronzinos Gemälde Hl. Familie mit hl. Anna und Johannesknaben kam im Jahre 1792 als Tauschbild aus der großherzoglichen Sammlung in Florenz nach Wien. Laut Vasari malte er sechs Versionen dieses Themas. Eine weitere, im Louvre befindliche Version weist große Übereinstimmung mit dem Wiener Gemälde auf, ist aber möglicherweise eine Werkstattarbeit. Das Gemälde ist unter dem linken Fuß des Jesuskindes auf dem Stein mit „Bro[n]zino Fiore[n]tino“ bezeichnet.
Die Technologischen Untersuchungen ergaben aufschlussreiche Ergebnisse in Bezug auf die Bildgenese. Die Infrarotreflektographie zeigt deutlich die mit feinen Linien ausgeführten Kompositionsänderungen während der Bildentstehung. Diese Konzeptänderungen sind als Beleg dafür zu werten, dass dieses Bild eine ursprüngliche Version darstellen muss. Das Pariser Gemälde folgt der Letztversion des Bildes im KHM und ist somit aller Wahrscheinlichkeit nach später entstanden.
Wie die Aufzeichnungen belegen, wurden am Gemälde wiederholt restauratorische Eingriffe durchgeführt. Die einschneidendste Maßnahme stellte die Ausdünnung der Tafel auf ca. 8 mm und das Anbringen eines Parketts dar. Die dadurch entstandenen Spannungen führten zu einer Konkavverwölbung der Tafel und in der Folge zu zahlreichen punktförmigen Ausbrüchen der Malschicht. Zusätzlich förderten die Eigenarten des maltechnischen Aufbaus die Ausbildung eines kreisförmigen Craquelés. Malschichtkrepierungen, störende Retuschen und Übermalungen sowie ein gegilbter Firnis stellten eine starke optische Beeinträchtigung dar.
Ziel der daher notwendigen Restaurierung war es, für den Bildträger konservatorisch zuträgliche Bedingungen zu schaffen und bei der Malschicht die früheren Eingriffe zu entfernen. Die Übermalungen wurden abgenommen und originale Malschichten wieder freigelegt; der Firnis wurde reduziert, um optische Unregelmäßigkeiten auszugleichen und um Krepierungen zurückzudrängen. Nach Abnahme des Parketts wurde der geschwächte Holzträger durch Anbringung einer neuen Stützkonstruktion stabilisiert. Diese besteht aus einer Aluminium-Wabenkern-Verbundplatte mit federbelasteten Stützelementen, die einerseits der Tafel Halt geben, andererseits aber (klimabedingte) Holzbewegungen zulassen. Dadurch soll das neuerliche Entstehen von Spannungen verhindert werden. Die Stützkonstruktion ist jederzeit reversibel und ersetzbar und ermöglicht weiterhin den Zugang zur Tafelrückseite.