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Ökosystem Museum - Ein konservatorisches Betriebskonzeptkonzept für die Neue Burg in Wien

Dissertation an der Akademie der bildenden Künste, Wien 2011

Ziel der Dissertation war es, Grundlagen für ein sammlungsübergreifendes konservatorisches Betriebskonzept für die Neue Burg zu entwickeln, in der neben der Nationalbibliothek das Museum für Völkerkunde (MVK) sowie drei Sammlungen des Kunsthistorischen Museums (Sammlung alter Musikinstrumente [SAM], Hofjagd- und Rüstkammer [HJRK] und Ephesus) untergebracht sind.


Das Klimakonzept geht von der Beobachtung aus, dass auch sehr alte und komplexe Museumsobjekte unterschiedlicher Provenienz immer dann einen guten Erhaltungszustand aufweisen, wenn sie innerhalb schadenspräventiver Eckwerte unter möglichst konstanten, jahreszeitlich gleitenden Klimabedingungen aufbewahrt wurden. Diese Rahmenbedingungen sollen über vier Strategien erreicht werden: Kontrollierter Luftwechsel mit Kontrolle der Basisluftfeuchte, passiver Sonnen- und Wärmeschutz, Bauteilaktivierung statt Radiatorheizung (=Luftheizung)sowie Senken des Energieverbrauchs. Die Klimakonstanz stellt sich dann von selbst ein, wenn unter Berücksichtigung der Gebäudehülle und eines kontrollierten Luftwechsels auf Manipulation der Raumluft weitgehend verzichtet wird (passive climate control).

Herzstück des Klimakonzepts für die Neue Burg ist der aus der Entstehungszeit stammende sog. „Luftbrunnen“, ein von einem Erdspeicher im 2. Kellergeschoß gespeistes auch als Baudenkmal imposantes Lüftungssystem, über das sowohl eine kontrollierte Belüftung als auch eine Vorbefeuchtung der winterlichen Außenluft erfolgen soll, wobei das großflächige Ziegelmauerwerk als Klimapuffer wirkt. Die schrittweise und kontrollierte Wiederinbetriebnahme des seit 1938  in seiner Funktion gestörten Luftbrunnens gilt als vorrangiges Ziel. Ausgehend von den aus über 70 Messfühlern gewonnenen Klimadaten soll dessen Wirkungsweise besser verstanden und ein Betriebs- und Steuerungsmodell inkl. Klimaalarmplan entwickelt werden.

Eine weitere Optimierung ist nur durch tiefer gehende bauphysikalische Verbesserungen des ganzen Baus möglich: Außenlichtschutz (optisch neutrale Varianten wurden bereits 2007 realisiert), Obergeschoßdämmung und Hinterlüftung der Dachböden, Nachbeschattung der Lichtdächer, Kühlen des Gebäudekerns durch kontrollierte Nachtlüftung über vorhandene Schächte und Stiegenhäuser sowie evtl. adiabatische Kühlung der Dachflächen. Durch gezieltes Nachdichten aller Kastenfenster und deren Ausstattung mit Isolier- bzw. Verbundverglasung am Innenflügel können die Wärmeverluste über die Fenster nachweislich um ca. 25% gesenkt und die Innenscheibentemperaturen im Winter angehoben werden. In einem Pilotprojekt wurde 2010 die Umrüstung von Radiatorheizung auf Bauteilaktivierung erprobt und hat verblüffende Ergebnisse erbracht; ebenso die Auswertung der Verbrauchsdaten der Heizkostenverteiler. Alle Untersuchungen und Maßnahmen wurden bauphysikalisch überprüft (Univ.-Prof. DI Dr. Klaus Kreč, TU Wien).

Im ersten Abschnitt der Dissertation wird die Notwendigkeit für ein Gesamtklimakonzept dargelegt und ein summarischer Blick auf die Baugeschichte der Neuen Burg sowie auf die insuffizienten Sanierungen der 1990er Jahre geworfen. Ein Betriebskostenvergleich mit drei österreichischen neu gebauten Museen ermöglicht eine finanzielle Evaluierung des Faktors „Museumsklima“. Im zweiten Abschnitt werden die Rahmenbedingungen eines Museumsbetriebes aus acht unterschiedlichen (rechtlichen, bautechnischen, haustechnischen, meteorologischen, konservatorischen, etc.) Blickwinkeln beleuchtet. Im dritten Abschnitt wird das Klimakonzept vorgestellt und seine Realisierung anhand von 44 Modulen (von denen einige bereits umgesetzt wurden), entwickelt.

Es wird erwartet, dass mit der vollständigen Umsetzung des Betriebskonzeptes dem museal genutzten Bereich der Neuen Burg Modellcharakter für einen nachhaltigen und zukunftsweisenden Museumsbetrieb zukommt.