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Die Gemälde des Jacopo Bassano und seiner Schule in der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums in Wien

Die Gemälde des Jacopo da Ponte genannt Bassano (um 1510/12– 1592) und seiner Schule stellen innerhalb der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums einen der reichsten und interessantesten Bereiche dar. Mit 86 Gemälde handelt es sich dabei um die weltweit größte und umfangreichste Sammlung der Werke dieser Malerfamilie, welche in ihrer Gesamtheit bis jetzt nie vollständig untersucht wurde. Jacopo Bassano war vornehmlich in der Provinz aktiv, und gilt heute als einer der großen Meister der venezianischen Malerei des 16. Jahrhunderts. Seinen Ruhm verdankt er unter anderem der Erfindung einer Bildgattung, welche Pastoralszenen mit biblischen oder allegorischen Motiven verknüpfte: Er realisierte damit völlig neuartige und originelle Kompositionen, die sich so großer Beliebtheit erfreuten, dass die Erben Jacopos derartige Gemälde bis über die Mitte des Seicento hinaus weiterproduzierten. Der große Erfolg dieser von Jacopo in den siebziger Jahren des 16. Jahrhunderts. „erfundenen“ biblisch-pastoralen Bildgattung führte zu einer explosionsartigen Steigerung der Nachfrage, der Jacopo offensichtlich nicht alleine nachzukommen vermochte. Er organisierte deshalb seine Werkstatt in geradezu industrieller Weise.

Die Bilder wurden hinsichtlich des Stils, der Provenienz und der Zugehörigkeit zu bestimmten Bildserien untersucht. Eine Auswahl von Gemälden wurde darüber hinaus naturwissenschaftlichen Untersuchungen (Röntgen- und Infrarotaufnahmen) unterzogen, um die Problematik des Malschichten-Aufbaus und der Bildgenese zu klären. In diesem Zusammenhang wurden auch die Art der Werkstattorganisation, die Unterscheidung der verschiedenen Hände und die Zusammenarbeit einzelner Werkstattmitglieder erforscht. Anhand der Untersuchungsergebnisse konnten wir einen wichtigen Beitrag im Rahmen der Erforschung der Werkstattmechanismen innerhalb der venezianischen Malerei des 16. Jahrhunderts leisten. Die geschickte Organisation erlaubte es, dass die typischen „bassanesken“ Kunstwerke immer wieder dem Publikum angeboten werden konnten, mit geringen oder leichten Kompositionsveränderungen, auch wenn stilistische und qualitative Unterschiede dabei auftraten.

Aufgrund der neuen Zuschreibungen und der Identifizierung von drei weiteren Gemäldegruppen, die den jeweiligen Söhne Francesco, Leandro und Gerolamo zu zuweisen sind, konnten wir für die Bassano Sammlung der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums in ihrer Gesamtheit eine eindeutige Wertsteigerung erwirken.

Das Projekt ist abgeschlossen. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes werden in Form einer wissenschaftlichen Publikation in der Reihe der Bestandskataloge des Kunsthistorischen Museums veröffentlicht.


Ausschnitt aus Jacopo Bassano, Thamar wird zum Scheiterhaufen geführt

Information

Projekt Nrn.
11305 und 12838

Projektleitung
Dr. Sylvia Ferino-Pagden

Projektmitarbeiter
Dr. Francesca Del Torre Scheuch; Mag. Bettina Baatz-Fischer

Finanzierung
Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank

Laufzeit
1. März 2005- 30. Juni 2011

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