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© Hilfsgemeinschaft
Foto: ©Patrick Winkler

Kunst öffnet die Augen und bewegt!

»Dem Kunsthistorischen Museum ist es seit jeher ein großes Anliegen, allen Besuchern und Besucherinnen seine reichhaltigen Sammlungen im Sinne der Inklusion anzubieten. Ob Seh- oder kognitive Beeinträchtigung – die gemeinsame Kunstbetrachtung und die Möglichkeit, im Atelier kreativ tätig zu werden, eröffnen neue Perspektiven und wecken Emotionen. «

Um die barrierefreien Angebote bestmöglich gestalten zu können, nahm das Team der Kunstvermittlung an einem Erasmus+Mobilitätsprogramm teil. Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

Die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs schulte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kunsthistorischen Museums Wien im Umgang mit sehbeeinträchtigten Menschen durch spezielle Sensibilisierungstrainings.

Führungen für Menschen mit Sehbeeinträchtigung

Das Erfassen einer Bildkomposition stellt die Kunstvermittlung vor eine besondere Herausforderung. Gehen Sie allein oder in Begleitung eines Kunstvermittlers oder einer Kunstvermittlerin auf eine besondere Entdeckungsreise zu den Meisterwerken der Gemäldegalerie. Tastreliefs, taktile Transparentfolien und auditive Beschreibungen leisten dabei eine wertvolle Unterstützung. Je mehr Sinne für die Wahrnehmung von bildender Kunst stimuliert werden, desto lebendiger und umfassender wird sie auf den Menschen wirken.

Gemeinsam anders sehen!

Die hier vorliegende Publikation ist derartig gestaltet, dass Menschen egal welchen Sehvermögens die Kunst der Alten Meister mit allen Sinnen allein oder im Dialog mit anderen erleben können. Sie präsentiert vier Meisterwerke der Gemäldegalerie in einer Kombination aus anregenden optischen, haptischen und auditiven Elementen.

Farblich in verstärkten Kontrasten wiedergegebene Gesamtabbildungen der besprochenen Kompositionen, darüber liegende transparente taktile Folien, Details der Gemälde in unterschiedlich hoch applizierten Umrisslinien und Bildbeschreibungen in gut lesbarer, großer Schwarzschrift und Braille bieten vielfältige Zugänge, zweidimensionale Kunst zu erleben.

Zusätzlich liegen in leicht handzuhabenden Polybags eine CD als klassische Audiodatei und eine zweite im Daisy Format mit vertiefende Informationen bei (Spieldauer ca. 80 Minuten). Das Museumsbuch ist in Österreich in dieser Art einzigartig.

Das Buch kann für die Dauer des Besuches am Informationsstand ausgeliehen werden. Es ist auch in den Museumshops und online um € 39,95 erhältlich.

Gemälde erleben

Blinden und sehschwachen Menschen eröffnet sich im Kunsthistorischen Museum eine ganz neue Sicht auf Gemälde. Bisher war das Erleben von Bildinhalten nur durch intensiven Dialog mit einer Begleitperson möglich. Dank spezieller Technologien können Bilder nun in zu ertastende Reliefs umgesetzt werden. Dadurch kann der Besucher die Grundformen, aus denen eine gemalte Komposition besteht, selbständig und direkt erfassen. Die gewonnenen Eindrücke werden zusätzlich durch verbale Erläuterungen von KunstvermittlerInnen vertieft. Außerdem steht eine Broschüre in Brailleschrift zur Verfügung, die neben einer blindengerechten Bildbeschreibung auch weiterführende Informationen über das jeweilige Werk beinhaltet. Zum Gemälde passende Gegenstände für weitere taktile Erfahrungen vertiefen die gewonnen Eindrücke.

Das Projekt wurde im Rahmen der Vermittlungsinitiative „Kulturvermittlung mit Schulen in Bundesmuseen 2010“ vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur gefördert und von KulturKontakt Austria beratend begleitet und in Zusammenarbeit mit VRVis Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung Forschungs GmbH realisiert.

DENKWÜRDIGES UND MERKWÜRDIGES

Die Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums Wien zählt zu den berühmtesten Sammlungen ihrer Art. Ihre große Bedeutung liegt in der unermesslichen Vielfalt an Objekten, die wir dem außergewöhnliche Kunstkennertum und der unglaublichen Sammelleidenschaft der Habsburger verdanken. Sie umfasst neben bemerkenswerten Erscheinungen der Natur herausragende Leistungen kunsthandwerklichen Schaffens aus edlen, manchmal von weit her importierten Materialien wie Gold, Silber, Bergkristall, Straußenei, Kokosnuss oder Haifischzahn. Einige dieser verarbeiteten Rohstoffe stehen für die barrierefreie Führung zum Begreifen zur Verfügung und vermitteln den Besuchern und Besucherinnen hautnah einen lebendigen und faszinierenden Einblick in die Welt der fürstlichen Sammelleidenschaft.

EPHESOS - DIE STADT DES WELTWUNDERS

Wer kennt nicht den mächtigen Artemistempel in Ephesos, der zu den sieben alten Weltwundern gezählt wird! Seit dem späten 19.Jh. graben und forschen österreichische Archäologen in Ephesos und entdeckten so eine der ehemals bedeutendsten römischen Städte an der östlichen Grenze des Imperium Romanum. Die Funde der ehemaligen „Perle Kleinasiens“, die im Ephesos Museum zu besichtigen sind, bieten die einmalige Gelegenheit, die antike Baukunst der Römer von allernächster Nähe zu erleben. Tempelbauten, Thermenanlagen, ein Theater und Wohnhäuser veranschaulichen das hohe Stilempfinden der damaligen Kultur. Kapitelle, Schmuckreliefs und Statuen dürfen mit hauchdünnen Latexhandschuhen ertastet werden, um so die Schönheit der Bauteile tatsächlich erleben zu können.

ZEITALTER DER RITTER - TRADITIONEN UND IDEALE

Die Hofjagd- und Rüstkammer des Kunsthistorischen Museums gilt als die am besten dokumentierte Sammlung in der abendländischen Welt und umfasst neben Harnischen und Prunkwaffen auch Jagd- und Sportwaffen. Wer genauer über den Zeitvertreib des Adels vom ausgehenden Mittelalter bis in das Barockzeitalter Bescheid wissen möchte, findet hier reichhaltige Anregungen. Vor allem die zahlreichen Turnierrüstungen aus dem 16.Jahrhundert rufen höchste Bewunderung hervor, denn es ist unglaublich, wie geschickt sich Menschen in diesen eisernen Gewändern bewegen konnten. Ausgewählte Rüstungsteile stehen zum Tasten und Probieren zur Verfügung.

WAGEN BIS ZU 8PS

In der Wagenburg werden die Fahrzeuge des Wiener Hofes aufbewahrt: Neben den großen Prunkkarossen, mit denen der Herrscher seine Macht demonstrierte, gab es „Leib“-Wägen für die kaiserliche Familie, Dienstfahrzeuge für die Hofangestellten, Lastwägen für den Transport von Gütern sowie Reise-, Sport-, Freizeit- und Kindergefährte. Pferd und Wagen waren Jahrhunderte lang ein wichtiges Statussymbol. So war es stets ein prunkvolles und viel bestauntes Ereignis, wenn der Hof und der Adel an großen weltlichen und kirchlichen Feiertagen mit ihren Galawägen in Wien fuhren. Bis 1918 waren die zahllosen eleganten Equipagen ein wichtiger Bestandteil des Wiener Straßenbildes. Jenseits des regulären Besucheraufkommens besteht im Depot die Möglichkeit mit Handschuhen die Bauweise, den technischen Aufwand und den Schmuck der Fahrzeuge zu ertasten.

Führungen für Menschen mit Demenz

Das Museum als ein Ort der Begegnung und sinnlichen Wahrnehmung bietet reichhaltige Möglichkeiten, Menschen mit Demenz für einige Stunden aus ihrer inneren Isolation zu befreien. Lassen Sie sich von den Geschichten der Bilder, Farben und Formen inspirieren und verzaubern!

Reise in die Erinnerung
Nach einer Begrüßungsrunde in der ansprechenden Atmosphäre des Ateliers beginnt die gemeinsame Kunstbetrachtung vor sorgfältig ausgewählten Gemälden in den Schausälen. Dabei geht es nicht primär um Wissensvermittlung, sondern die gemeinsame Beobachtung weckt Assoziationen, regt zu einem gemeinsamen Gespräch an und weckt lang zurückliegende Erinnerungen. In der entspannten Atmosphäre des Ateliers können die Besucher und Besucherinnen ihre Gefühle und Gedanken weiter frei entfalten und im eigenen künstlerischen Gestalten ihre Selbstbestimmtheit erleben.

Für Fragen und Anregungen kontaktieren Sie unsere Kunstvermittlung unter T +43 1 525 24 - 5202 oder kunstvermittlung@khm.at

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