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Zur Restaurierung von Tizians Nymphe und Schäfer

Elke Oberthaler
Tizian, Nymphe und Schäfer. Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. 1825.
Rückseite mit der Signatur „Hickel Rep. 1774“ in der rechten unteren Ecke.
UV-Fluoreszenz-Aufnahme vor der Restaurierung
Zusammenfassung Der Grund für die Restaurierung von Tizians Nymphe und Schäfer war der schlechte optische Zustand, der durch trübe Firnisschichten, nachgedunkelte Übermalungen, alte, ungekittete und mit Schmutz oder Firnis gefüllte Verluste und partielle künstliche Patinierungen verursacht wurde. Das Gemälde geht auf die Sammlung Bartolomeo della Naves zurück und gelangte 1659 durch Leopold Wilhelm in die kaiserliche Galerie. Durch das Inventar von Storffer noch 1733 in der Galerie in der Stallburg belegt, befand es sich bereits 1772 (laut Inventar) auf dem Dachboden, ohne Spannrahmen und in sehr beschädigtem Zustand. Für die Neuaufstellung im Oberen Belvedere wurde das Bild 1774 von Joseph Hickel restauriert, nach Transporten nach Florenz und im Zuge der Napoleonischen Kriege gelangte es bereits 1815 wieder ins Depot. Ab 1891 stellte es Engerth in der Galerie neu aus, zwischen 1892 und 1894 wurde unter Schäffer der obere Rand umgeschlagen und das Bild vermutlich partiell gereinigt. Als einzige ausführlicher belegte Restaurierung ist ein Eingriff von Sebastian Isepp zu nennen, der 1936 den oberen Rand wieder ausschlug, den bereits damals trüb erscheinenden Firnis regenerierte und Ergänzungen überarbeitete. Neben der genauen Befundung in Hinblick auf eine Schädigung der Malschichten durch ein Regenerierverfahren wurde bei den Voruntersuchungen zur Restaurierung insbesondere technologischen Merkmalen des Tizian’schen Spätstils nachgegangen. Dabei konnten der motivisch bedingte und sehr differenzierte Einsatz von Malweisen in verschiedenen Bildpartien sowie eine reiche Farbigkeit deutlicher gemacht werden, obwohl sich zunächst der Eindruck eines gedämpften Kolorits ergibt. Die ersten Ergebnisse dieser Beobachtungen wurden 2007 im Ausstellungskatalog Der Späte Tizian und die Sinnlichkeit der Malerei publiziert.
Die Restaurierung konzentrierte sich auf das Reduzieren der partiell sehr unterschiedlichen Überzüge auf eine gleichmäßig dünne Restschicht alten Firnisses und auf das Reduzieren der Patinierungen im Bereich des Inkarnats der Nymphe. Großzügig überkittete Reste der Originalmalschichten der linken Hand des Schäfers wurden freigelegt und die kleinen, aber sehr zahlreichen alten Verluste wurden gekittet. Die Fehlstellen wurden mit Gouache- und Aquarellfarben sowie abschließend mit dünnen Harz/Öl-Lasuren ergänzt.