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Chemische Analyse von Bindemitteln historischer Kunstwerke

Im Zuge des Projektes wurde ein Netzwerk zur organischen Analyse von Kunstwerken zwischen dem Kunsthistorisches Museum Wien (KHM), der Technischen Universität Wien und der Akademie der bildenden Künste Wien etabliert. Nach der Optimierung der entsprechenden analytischen Methoden – vor allem der Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS) – wurde eine Reihe von ausgewählten Objekten in Zusammenhang mit material- und herstellungstechnischen sowie restauratorischen Fragestellungen hinsichtlich der in Bemalungen (Fassungen), Überzügen oder Klebemitteln vorliegenden organischen Bindemittelsysteme untersucht.

So zeigte beispielsweise die Untersuchung von Firnissen (Schlussüberzügen) an Gemälden der Gemäldegalerie des KHM für das 19. und 20. Jahrhundert die durchgehende Verwendung von Mastix in Terpentin als Restaurierfirnis. Daneben wurden an einigen Gemälden Rückstände früherer ölbasierter Firnisse identifiziert und durch die Beobachtung bestimmter Komponenten auch die Verwendung einer am Übergang des 19. zum 20. Jahrhundert weit verbreiteten Restauriermethode, des so genannten „Pettenkofer-Verfahrens“, erstmals nachgewiesen. An den antiken Mumienportraits der Antikensammlung des KHM konnten die Klebemassen nun als Pech identifiziert werden, nachdem frühere Analysen mit weniger ausgereiften Methoden zu keinem Ergebnis geführt hatten.

Weitere Studien umfassten die Analyse von Überzügen, z.B. von Lacken auf historischen Musikinstrumenten der Sammlung alter Musikinstrumente des KHM, von Bindemitteln in Wandmalereien, z.B. in Deckenfresken des Palais Liechtenstein, oder von Fassungen verschiedenster Objekte. Schließlich wurden auch umweltrelevante Themen, wie die Zusammensetzung von wachsartigen, trüben Filmen, die sich an Verglasungen von Gemälden oder an der Oberfläche von Bronzeskulpturen ausbilden, bearbeitet.



Publikationen

  • S.M. Käfer, M. Grießer, V. Pitthard und S. Stanek, „Zu Prunkfassungen im Wandel der Zeit: Analyse und Erhaltung der historischen Fassungen auf drei original „bronzierten“ und später vergoldeten Prunktischen aus den Liechtensteinischen Sammlungen“, in: Technologisches Studien. Kunsthistorisches Museum. Konservierung – Restaurierung – Forschung – Technologie, Band 1/2004, Kunsthistorisches Museum (2004) 110-133
  • V. Pitthard, S. Stanek, M. Griesser, Th. Muxeneder, “Gas-Chromatography - Mass Spectrometry of Binding Media from Early 20th Century Paint Samples from Arnold Schönberg’s Palette”, Chromatographia, 62 (2005)
    175-182
  • V. Pitthard, S. Stanek und M. Grießer, „Arnold Schönbergs Malkasten. Bindemittelanalyse der Farbtuben”, in: C. Meyer und Th. Muxeneder (Hg.), „Arnold Schönberg, Catalogue raisonné“, Arnold Schönberg Center (2005) 146-148
  • M. Grießer, V. Pitthard, S. Stanek, „Organische Bestandteile der Tubenfarben aus dem Malkasten Arnold Schönbergs“, in: „Der Maler Arnold Schönberg the Painter“, Bericht zum Symposium 11.-13. September 2003, Arnold Schönberg Center (2005) 55-62
  • R. Linke, S. Stanek, „Materialanalytische Untersuchungen von Rückständen an ephesischen frühbyzantinischen Amphoriskoi“, Archäologische Forschungen, Vol. 13 „Spätantike und mittelalterliche Keramik aus Ephesos“, Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften (2005) 137-142
  • V. Pitthard, M. Griesser, S. Stanek, „Methodology and Application of GC-MS to Study Altered Organic Binding Media from Objects of the Kunsthistorisches Museum, Vienna“, in: Proceedings of the 10th EUCheMS-DCE International Conference on Chemistry and the Environment. The Role of Chemistry in the Environment: our choice, our life. Research, Education and Professional, 4th-7th September 2005, Rimini, Italy, Annali di Chimica 96 (9-10) (2006) 561-573
  • V. Pitthard, M. Griesser, S. Stanek, T. Bayerová, „Study of complex organic binding media systems on artworks applying GC-MS analysis: selected examples from the Kunsthistorisches Museum, Vienna“, in: Proceedings of the 2nd International Workshop on: Science, Technology and Cultural Heritage, Diocesan Museum of Catania, 9th-11th November 2005, Catania, Sicily, Italy, Macromolecular Symposia 238 (2006) 37-45
  • V. Pitthard, B. Vak, M. Griesser, S. Stanek, M. Laubenberger, „Fayum Portraits from the Collection of Greek and Roman Antiquities, Kunsthistorisches Museum, Vienna. Conservation Treatment and Research into their Composition“, in: Technologische Studien Kunsthistorisches Museum. Konservierung – Restaurierung – Forschung – Technologie, Band 4/2007, Kunsthistorisches Museum (2007) 10-29

Information

Projektleitung
Dr. Martina Grießer

Projektmitarbeit
Dr. Václav Pitthard,
DI Sabine Stanek,
KollegInnen verschiedener Sammlungen des KHM-Museumsverbands

Kooperationspartner
Ao.Prof. Dr. Egon Erwin Rosenberg (Technische Universität Wien),
Univ.Prof. Univ.Doz. DI Dr. Manfred Schreiner (Akademie der bildenden Künste Wien),
Dr. Robert Linke (vormals Akademie der bildenden Künste Wien),
Dr. Therese Muxeneder (Arnold Schönberg Center),
DI Tatjana Bayerová (Universität für angewandte Kunst),
Susanne M. Käfer (Möbelrestauratorin)

Finanzierung
FWF Projekt Nr. P 15640-N03

Projektdauer
abgeschlossen

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