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Schloss Ambras und seine Sammlungen im 18. Jahrhundert. Von der Kunst- und Wunderkammer zur Universalsammlung.

Erzherzog Ferdinand II. verstarb am 24. Jänner 1595. Bekanntlich war es sein Wunsch, dass die von ihm gegründeten Sammlungen – die Kunst- und Wunderkammer und die Rüstkammern – auf Schloss Ambras verbleiben sollen. Diesem Wunsch wurde die nächsten zwei Jahrhunderte entsprochen, bis Kaiser Franz II./I. schließlich im Juni 1806 die Überführung der Sammlung nach Wien angeordnet hatte.

Das gegenständliche Forschungsprojekt geht der Frage nach, welche Ereignisse und Maßnahmen die Ambraser Sammlungen bis zum Jahr 1806 veränderten.

Ein zeitlicher Ansatzpunkt ergibt sich mit dem Tod von Erzherzog Sigmund Franz im Jahr 1665. Damals erlosch die „Jüngere Tiroler Linie“ im Mannesstamm. Seither hatte Tirol keinen eigenen Landesfürsten mehr. Schloss Ambras verlor damit seine bisherige Funktion als landesfürstlicher Wohn- und Lustort. Es trat nun die ganz ungewöhnliche Situation ein, dass ein unbewohntes kaiserliches Schloss weiterhin voller Kunst-, Natur- und Kulturschätze verblieb. Dieser Umstand förderte einerseits die Musealisierung der Sammlungen, stellte aber andererseits eine permanente Gefährdung des Schlosses und seiner Schätze dar.

Umfangreiches, bislang unbekanntes oder unbeachtet gebliebenes Archivmaterial aus dem 18. Jahrhundert ermöglicht es nicht nur, diesen Zeitraum zu erhellen, sondern gibt auch überraschend viele Rückschlüsse auf die vorangegangenen Perioden. Insbesondere ist die bisherige Annahme zu revidieren, die Ambraser Sammlungen seien nach 1665 wenig oder gar nicht verändert worden. Vor allem der 1772 ernannte Schlosshauptmann Johann Primisser († 1815) konzipierte eine umfassende Neueinrichtung, mit dem Ziel, eine lehrreiche Universalsammlung zu schaffen. Weitgehend in dieser Ordnung erfolgte auch deren Präsentation 1814 im Unteren Belvedere anlässlich des Wiener Kongresses.

Die Forschungsergebnisse sollen in Zusammenarbeit mit Thomas Kuster in einer musealhistorischen Überblicksdarstellung samt Edition der Hauptquellen des 18. Jahrhunderts sowie in zwei Einzelstudien zu Johann Primisser und – gemeinsam mit Heinz Winter – zur seinerzeit vielgerühmten Ambraser Münzsammlung veröffentlicht werden. Gudrun Swoboda wird in einem Beitrag verschiedene Aspekte der Ambraser Gemäldegalerie des 18. Jahrhunderts behandeln.



Information

Projektleitung
Dr. Elisabeth Hassmann

Projektmitarbeit
Dr. Thomas Kuster
Dr. Gudrun Swoboda
Dr. Heinz Winter

Finanzierung
Kunsthistorisches Museum Wien

Projektlaufzeit
seit Mai 2016 (fünf Jahre)

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