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Die römische Keramik aus Ephesos

Kunsthistorisches Museum - Antikensammlung

Boden eines Napfes mit dem Stempel „Δωρον“
Spätantiker Prunkteller mit Darstellungen aus dem Zirkus

Projektbetreuung:
Dr. Alfred Bernhard-Walcher, Dr. Georg Plattner
Kooperationspartner: PD Dr. Sabine Ladstätter
(Institut für Kulturgeschichte der Antike, ÖAW)
Finanzierung: KHM, ÖAW

In den ersten Jahren der österreichischen Forschungen in Ephesos durften mit Erlaubnis des Sultans Abdulhamid II. teilweise Funde von den Grabungen ausgeführt und nach Wien gebracht werden. Neben ausgewählten Architekturproben und Skulpturen kamen bis 1907 auch zahlreiche Keramikfragmente in die kaiserlichen Sammlungen nach Wien. Das Augenmerk bei der Auswahl der Stücke lag dabei zum einen auf einer möglichst weitgehenden Vollständigkeit der Gefäße, zum anderen auf der Tatsache, dass einige Exemplare des antiken Geschirrs Inschriften in Form von Töpfer- und Produzentenstempeln tragen.

Entsprechend den Forschungsschwerpunkten der ersten zehn Grabungsjahre in Ephesos stammen die nach Wien gebrachten Keramikfragmente vor allem von zwei Fundstätten. Ganzgefäße wurden vornehmlich aus der spätantiken Siedlung geborgen, die in den weitläufigen Hallen der kaiserzeitlichen Hafenthermen angelegt worden waren. Bei der Erforschung des frühkaiserzeitlichen Rundbaues auf dem Panayır da_, von dem auch eine Architektur probe im Ephesos-Museum ausgestellt ist, wurden zahlreiche Fragmente von terra sigillata gefunden, einer roten, klingend hart gebrannten Keramik der frühen Kaiserzeit. Stempel in der Mitte der Gefäßböden nennen den Hersteller und lassen so die Produktionszentren erkennen.

Die etwa 150 Fragmente und Gefäße aus Ephesos wurden typologisch untersucht und großteils gezeichnet; ein ausgewählter Bestand wurde photographiert. Der Katalog ist abgeschlossen und lässt erste Ergebnisse erkennen: Das spätantike Material erweitert unsere Kenntnis der Keramik jener Epoche, die zur Zeit in Ephesos/Selçuk selbst in einem Forschungsschwerpunkt an mehreren Stellen intensiv erforscht wird. Unter anderem wird auch in jenem Areal erneut gegraben, aus dem die Wiener Funde stammen, sodass hier für beide Seiten neue Erkenntnisse zu erwarten sind. Die Sigillaten vom Rundbau stammen entgegen früheren Einschätzungen nicht aus mehreren Jahrhunderten, sondern zum Großteil aus der frühen Kaiserzeit. Sie müssen daher nicht mehr als „Streufunde“ betrachtet werden; viel eher besteht tatsächlich ein Zusammenhang mit dem Rundbau, für den damit neue chronologische Hinweise gewonnen sind. Die Aufarbeitung der Architektur des Rundbaus ist in Vorbereitung. Der Katalog soll in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) publiziert werden. 

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