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Spätgotischer Messkelch

Im Gegensatz zum beinahe schmucklosen Erscheinungsbild des Messkelches mit der Devise Kaiser Friedrichs III. besticht dieser Kelch schon dem äußeren Anschein nach durch den außergewöhnlichen Reichtum seines Dekors. Der sechspässige Fuß, der wulstförmige Nodus und der Unterfang der Kuppa sind dicht mit kleinteiligem Blattwerk belegt, aus dem große Blütenmotive mit farbigen (Glas-)Steinen als Zentrum herauswachsen. Am Nodus sitzen sechs Zapfen mit aufgelegten sechsblättrigen Blüten, die - so wie die umlaufende Ranke an der Standzarge auch – in Kontrast zu den vergoldeten Dekorteilen in Silber belassen wurden. Das reiche Blatt- und Blütenwerk überspielt alle Teile, womit der Aufbau insgesamt an ein organisch gewachsenes, vegetabiles Gebilde erinnert, in dem die zur Aufnahme des Weines bestimmte Kuppa steckt. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch den Kranz aus Blättern am oberen Abschluss des Unterfanges, die sich an der glatten Fläche der Kuppa gleichsam hinaufranken.

Die Gestaltungsmittel an diesem Messkelch sind besonders charakteristisch für Goldschmiedearbeiten, wie sie in der Zeit der Spätgotik, am Ende des 15. und in der Zeit des frühen 16. Jahrhunderts in der Slowakei, in Ungarn und in Siebenbürgen geschaffen wurden. Entsprechende Vergleichsbeispiele aus diesen Gebieten unterstützen die Annahme einer Herkunft des Kelches der Geistlichen Schatzkammer aus dem Gebiet des ehemaligen Königreichs Ungarn.

Bislang unbekannt war, dass dieser Kommunionkelch ehemals zum Bestand der Privatkapelle der Kaiserin Maria Theresia gehörte, so wie der 1775 entstandene Kelch von Joseph Moser auch. Ein Inventar der Hofburgkapelle aus dem Jahr 1783 vermerkt dazu: „Aus der privat Kapelle, Von Weyl: Ihro Maitt: der Kaiserin Maria Theresia empfangen. Ein Silber und vergolder Kelch mit filigran Arbeit, mit blau, roth und weißen Steinern besetzt samt Paten“. Die konkreten Gründe für die Nutzung des Kelches im privaten Umfeld der Kaiserin sind nicht bekannt, doch lässt sich daraus durchaus auch eine bemerkenswerte, da in der Zeit des Spätbarock noch keinesfalls selbstverständliche Wertschätzung für eine spätmittelalterliche Goldschmiedearbeit ablesen.


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Das Kunsthistorische Museum dankt
Dkfm. Fritz Himmer BA
herzlich für die Kunstpatenschaft.

Objektinformation

Ungarn, um 1500
Silber vergoldet, getrieben, gegossen, ziseliert, punziert und graviert; Glassteine
H. 23,3 cm, Dm. 13,5 cm

Kaiserliche Schatzkammer Wien
Geistliche Schatzkammer
Inv.-Nr. SK_GS_B_10

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