Images of the Virgin Mary: a fleet-footed online tour of the collections

The present series, to which a new text will be added every two weeks, takes what may seem a rather contemporary approach: works of art are presented from the point of view of the person portrayed—the Virgin Mary.
We would like to provide a gentle note of reminder: sympathetic identification with the protagonist was the original purpose of precious votive paintings, long before such works came to be exhibited in museums in the 19th century.

Ein exklusiver Blick

Jan Gossaert, gen. Mabuse, Hl. Lukas malt die Madonna, um 1520, KHM, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. 894

Ein prachtvoll bestückter Engel führt dem Malerhelden die Hand. Er kniet. Lukas trägt ein pelzbewährtes, schweres rotes Gewand. Er schaut nicht einmal hin.

Unter seinen Augen entsteht eine feingliedrige Tuschezeichnung. Er ist so gut wie fertig, ich schwebe also schon einige Zeit im Raum. Kraft göttlicher Eingebung entsteht mein allererstes Porträt.

 

Den Engel und mich seht nur ihr.

Unsichtbares wird sichtbar, Vision verwandelt sich in Materie, aus Gedanken werden Bilder.

Moses muss tatenlos, gleichsam als steinerner Schatten seiner selbst, zusehen. Er sitzt als blasse Erinnerung über der Szenerie, in prachtvoller Renaissancearchitektur. Sein alttestamentarisches Bilderverbot wurde schon vor langer Zeit relativiert.

Allerdings: in jüngster Zeit regt sich an dieser Front Widerstand: Martin Luther hat gerade Fahrt in die Diskussion gebracht: kann man durch die Stiftung von gemalten Bildern sein Seelenheil erkaufen? Sollte man diesen „falschen“ Gebrauch von Bildern nicht schleunigst abschaffen?

Rogier van der Weyden, Lukasmadonna, 1440, Boston, Museum of fine Arts

In diesen ideologisch unruhigen Zeiten schlug Jan van Gossaert offensichtlich einen Mittelweg ein: er entschied, keine irdische, luxuriös ausgestattete Malerwerkstatt zu schildern, sondern verlegte die Szene in einen (Kirchen)innenraum.

Und vor allem: ich selbst bin, ganz nach orthodoxer Tradition, nicht als Modell aus Fleisch und Blut, sondern nur als göttliche Erscheinung anwesend.

Engel tragen mich.

 

 

Ein Hauch von Luxus umweht den Maler aber trotzdem, seine teure Kleidung hatte ich schon erwähnt.

Er und seine Kollegen versammelten sich in den vielen „Lukasgilden“, die in den Kunstzentren gegründet worden waren, abhängig von Aufträgen und materiellem Zuspruch. Wird der Künstler hier geläutert? Wird er nach den Schuhen auch sein teures Gewand ablegen?

 

Das bleibt offen.

written by Cäcilia Bischoff on 30.10.2017 in #Marienbilder
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