Japan für alle Jahreszeiten
Das Japan-Jahr im Museum für Völkerkunde Wien

- Japanische Puppen von der Wiener Weltausstellung 1873
Sammlung des Instituts für Ostasienwissenschaften der Universität Wien, Abteilung Japanologie
Inv.-Nrn.: 210 und 211
Anlässlich des Japan-Jahres 2009, in dem das 140-jährige Jubiläum der Aufnahme der ersten offiziellen Beziehungen zwischen Japan und Österreich-Ungarn begangen wird, führt das Museum für Völkerkunde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Ostasienwissenschaften/ Japanologie, Universität Wien und mit Unterstützung der japanischen Botschaft in Österreich die ganzjährige Veranstaltungsreihe „Japan für alle Jahreszeiten" durch.
Im Mittelpunkt steht dabei die Ausstellung Made in Japan - aus den Sammlungen des Museums für Völkerkunde Wien, in der an Hand der wichtigsten Sammlungen der Abteilung Japan im Museum exemplarisch die kulturellen Kontakte zwischen den beiden Ländern gezeigt werden. Beginnend mit den frühen Artefakten aus der Zeit vor der Öffnung Japans (1853/54) und von der Wiener Weltausstellung 1873 spannt sich der Bogen bis zu rezent erworbenen Gegenständen.
Auch ist es gelungen, den Originalvertrag von 1869, der den Anlass zur Ausrufung des Japan-Jahres darstellt, als Leihgabe vom Staatarchiv zu erhalten sowie vom Archiv der Wirtschaftskammer Österreich das Gedenkbuch, das während der Weltausstellung im "Cercle Oriental" auflag und in das sich die Japanische Gesandtschaft am 30. Juni1873 eintrug.

- Statue eines Buddhistischen Mönchs der Nichiren-Sekte
Inv.-Nr.: 36802
Sammlung Siebold 1889
Zu den wichtigsten Sammlern, deren Objekte in der Ausstellung präsentiert werden, zählt Heinrich von Siebold (1852-1908). Er war der zweite Sohn des berühmten deutschen Arztes Phillip Franz von Siebold, der sich in der Edo-Zeit in holländischen Diensten mehrere Jahre in Nagasaki aufgehalten hatte und als Mitbegründer der Japanologie gilt. Dem Vorbild seines Vaters folgend ging er 1869, ein Jahr nach der Meiji-Restauration nach Japan, wo er 30 Jahre lang als Übersetzter und Diplomat in Diensten der österreichisch-ungarischen Botschaft in Tokyo tätig war. Von seiner unersättlichen Sammelleidenschaft hat manches europäische Museum profitiert, so auch das k.k. Naturhistorischen Hofmuseums, dem er 1889 eine großzügige Schenkung einer über 5000 Inventarnummern zählenden Japansammlung übergab - noch heute macht die Sieboldsammlung über 40% der japanischen Objekte des Museums für Völkerkunde aus. Als Dank erhielt der bis dahin staatenlose Siebold die österreichische Staatsbürgerschaft und den Freiherrentitel verliehen.
Zu den Highlights seiner Sammlung zählen zahlreiche buddhistische Plastiken, die nach der Erhebung des Shintō zur Staatsreligion durch die Meiji-Regierung und der Schließung vieler buddhistischer Tempel in Japan leicht zu erwerben waren.

- Fächer mit Farbholzschnitt des Fujisan, Werbegeschenk eines Porzellanladens in Yokohama. Mit der Floskel „one price only“ wird dem Kunden versichert, dass er einen fairen Preis bezahlt und nicht betrogen wird.
Sammlung Este, Inv.-Nr.: 112242
Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este
Der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este (1863-1914) unternahm 1893 eine Weltreise, die ihn auch nach Japan führte. Von seiner umfangreichen Sammlung aus Japan, die sowohl künstlerische Highlights, wie zwei Gigaku-Masken aus dem 9./10. Jahrhundert, umfasste als auch lange Zeit als bloße, minderwertige Reiseandenken eingeschätzte und zum Großteil abgestoßene Gegenstände, sind ca. 2100 Objekte in den Besitz der Japansammlungen des Museums für Völkerkunde übergangen.
Josef Kreiner
Josef Kreiner (geb. 1940) war zunächst als Professor und Vorstand des Instituts für Japanologie der Universität Wien tätig, später wurde er an die Universität Bonn berufen, an der bis zu seiner Emeritierung wirkte. Ein Großteil der Neuerwerbungen der Jahre 1964 bis 1972 geht auf seine Sammeltätigkeit zurück. Da bis auf einige Regenmäntel, Hüte und Schuhe aus Stroh sowie Modelle von Bodenbaugeräten aus der Siebold-Sammlung wenige Objekte aus dem bäuerlichen Milieu Japans vorhanden waren, konzentrierte Kreiner sich darauf, dieses weitgehende Fehlen von Gegenständen der Volkskultur durch intensives Sammeln von Bodenbaugeräten und bäuerlichem Hausrat auszugleichen. Seine Forschungsreisen führten ihn unter anderem nach Okinawa und Kyūshū in Süd-Japan, nach Akita in Nord-Japan und 1965/66 in die Präfektur Fukui, von der er neben zahlreichen anderen Agrargeräten diese Putzmühle (bzw. Worfelmaschine) zum Reinigen von Getreide mitbrachte.

- Putzmühle tōmi aus dem Dorf Izumi in der Präfektur Fukui
Inv.-Nr.: 145.758
Sammlung Kreiner 1966
Saisonal wechselnde thematische Präsentationen ergänzen die Ausstellung. Im Frühling werden Hina-Puppen, die in Japan anlässlich des Mädchenfests am 3.3. aufgestellt werden und ein Knabenfest-Ensemble (5.5.) als jahreszeitliche Schwerpunkte präsentiert.
Thematisch passend zur Gagaku-Aufführung mit Tanz (Bugaku) bei der Eröffnung der Ausstellung am 21. April 2009 und zur Kagura-Aufführung am 1. Juni 2009 (organisiert von der Japanischen Botschaft) werden die Bugaku und Kagura-Masken des Museums zu sehen sein. Andere Themen im Laufe des Jahres sind im Sommer das Bon-Fest und der Ahnenkult sowie Geisha und Schönheitsideal, im Herbst das Nō- und Kyōgen-Theater, in Winter das Neujahrsfest sowie Objekte aus der Meiji-Zeit (1868-1912), die für den europäischen Markt hergestellt wurden (aus der Privatsammlung Professor Linharts, Vorstand des Instituts für Ostasienwissenschaften).
Darbietungen japanischer Künstler
Zu jedem dieser jahreszeitlichen Schwerpunkte findet in der Säulenhalle des Museums eine Darbietung japanischer Künstler statt, die in Kooperation mit der Abteilung Japanologie des Instituts für Ostasienwissenschaften der Universität Wien organisiert werden: Am 16. Mai wird eine Truppe aus der Präfektur Tokushima, Shikoku, ein Dörfliches Puppenspiel (Awa Ningyō jōruri) aufführen, am 3. Oktober wird Geisha Umekichi Geisha Gesänge und Tänze präsentieren, am 14.November zeigt Meister Shigeyama Senzaburō der Okura-Schule aus Kyōto seine Kyōgen-Kunst (japanische Possen) und im Februar 2010 stehen Meijizeitliche Vortragskunst (kōdan) und Balladen zur Violine (baiorin enka) von Nankai aus Osaka auf dem Programm.
Eine Vielzahl weiterer Veranstaltungen und Aktivitäten, wie eine Ikebana Ausstellung, ein internationales Go-Turnier, eine Teezeremonie (mit Akio Tanaka, Botschafter von Japan und seinem Teemeister) sowie eine populärwissenschaftliche Vortragsreihe und Kinder- und Familienaktionen, runden das Japan-Jahr im Museum ab.
Renate Noda
Kuratorin der Ausstellung „Made in Japan"
Gemeinsam mit Christine Kaufmann Organisatorin des Japan-Jahres im Museum für Völkerkunde Wien


