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Die Standorte

Vom Kettenpanzer zum Saitendraht: Untersuchungen zum Saitenmaterial von Musikinstrumenten des 14. und 15. Jahrhunderts

Alfons Huber mit Peter Ettmayer, José Garcia und Matthias Pfaffenbichler
Der Bruder „Dyetrich Schockentzieher“ aus dem Buch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung. 1425-1436. Nürnberg, Stadtbibliothek, Amb. 317.2°. (© ebenda.)
Kettenhemdmacher „Heinz Salwürk“ aus dem Buch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung. 1425-1436. Nürnberg, Stadtbibliothek, Amb. 317.2°. (© ebenda.)
Zusammenfassung Die Frage nach dem authentischen Saitenmaterial spielt bei der Restaurierung von historischen Saitenklavieren wie Clavichord, Cembalo oder Hammerklavier eine ganz entscheidende Rolle. Damit werden die technologisch relevanten und letztlich klangbestimmenden Parameter von Mensurverlauf, Besaitung und Stimmtonhöhe determiniert. Während inzwischen mehrere Untersuchungen über Saitendrähte des 18. und frühen 19. Jahrhunderts vorliegen, ist man bezüglich der Beschaffenheit von Saiten aus der Frühzeit der Tasteninstrumente im 14. und 15. Jahrhundert weitgehend auf Vermutungen angewiesen, zumal datierbares Material aus dieser Zeit nicht vorliegt. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts bildete die Herstellung von Musiksaitendraht keinen eigenen Produktionszweig, sondern es fanden lediglich die feinsten Stärken aus dem gängigen Sortiment der besten Eisen- und Messingdrahtsorten dafür Verwendung. Von dieser Tatsache ausgehend und unter der Annahme, dass die Waffentechnik immer schon technologisch führend war, wurden für die vorliegende Untersuchung Eisen- und Messingringe aus Kettenhemden herangezogen, die mit großer Wahrscheinlichkeit vor 1600 angefertigt worden waren. Nach einer mikroskopischen Differenzierung zwischen gezogenem und geschmiedetem Material, Messung der Härte und einer Analyse der Hauptbestandteile der jeweiligen Legierung sowie Anfertigung von Querschliffen konnte aus den Gefügebildern auf die Homogenität des Metalls und das Ausmaß der Verformung rückgeschlossen werden. Durch weitere Kaltverformung mittels Zieheisen bis 0,15 mm wurden die Festigkeitszunahme und das Verhalten der Drähte als Saitenmaterial untersucht, indem mehrere Zerreißproben erfolgten. Während die Messingdrähte mehrheitlich eine hohe maximale Festigkeit zwischen 800 und 980 N/mm2 aufwiesen, zeigten die getesteten Eisendrähte eine breite Streuung zwischen maximal 800 und 1400 N/mm2 Bruchlast. Für die Qualität der frühen Eisendrähte dürfte weniger der Kohlenstoffgehalt als vielmehr die Menge der inkludierten Schlacke und die Homogenität des Metallgefüges ausschlaggebend gewesen sein. Nach Überlegungen zur Mensurgestaltung und erreichbaren Stimmtonhöhe erfolgt ein Vergleich mit heute erhältlichem Saitenmaterial, das vorwiegend durch eine größere Homogenität und weniger Schlackeeinschlüsse charakterisiert ist.