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Die Zinken und Krummhörner der Sammlung alter Musikinstrumente

Kunsthistorisches Museum - Sammlung alter Musikinstrumente

Serpent
Krummer Zink

Leitung: Mag. Dr. Beatrix Darmstädter MAS
Finanzierung: FWF (P 19924-G13)

Die gekrümmten und konisch unregelmäßig anwachsenden Innenbohrungsverläufe der schwarzen Zinken und die engen zylindrischen, sich im Kniebereich erweiternden Bohrungen der Krummhörner sind mittels herkömmlicher mechanischer oder manueller Meßverfahren nur unzulänglich zu ermitteln. Auf der Suche nach einer objektschonenden, konservatorisch unbedenklichen jedoch für die Organologie und den Instrumentenbau optimal dienenden Vermessungsmethode, begann die Sammlung alter Musikinstrumente (SAM) bereits 2004 mit Voruntersuchungen zur Objektvermessung unter Einsatz vorwiegend in der Medizin verwendeten Röhren-Computertomographen. Die Resultate der Probevermessungen erwiesen sich allerdings als unzureichend, weil die Rückrechnung der realen Innendurchmesser aufgrund der im Zuge der Messung entstandenen ovalen Verzerrung nicht möglich war. 2006 entschied sich die SAM daher für eine Probemessung mit dem in der Fachhochschule Oberösterreich Campus Wels (FH OÖ Campus Wels) eingerichteten Rayscan 250E 3D-CT-System (mit einem 1024x1024 a-Si Flachbettdetektor) der Firma Wälischmiller, der vorwiegend zur technischen Vermessung und zur Materialprüfung herangezogen wird. Da mit diesem Gerät das zu vermessende Objekt in seiner gesamten Volumeninformation analysiert wird, können alle Informationen zu dem inneren Aufbau des Musikinstruments in ihrer konkreten räumlichen Lage sichtbar gemacht werden. Dieses Verfahren erwies sich somit bereits nach der Probemessung als ideal, um die historisch wertvollen und sehr fragilen Museumsobjekte zu untersuchen und zu visualisieren.

Im Herbst 2007 wurde mit der Aufnahme und virtuellen Rekonstruktion der zur Untersuchung ausgewählten 27 historischen Holzblasinstrumente der erste Abschnitt des Projekts erfolgreich abgeschlossen. Da einige Objekte, wie beispielsweise der Serpent (SAM 237), sehr groß sind, trat der Fall ein, daß mit einer Meßkreiserweiterung verfahren werden mußte und bis zu sechs Einzelmessungen zu einem Datensatz zusammengefügt wurden. Die zweidimensionalen Visualisierungen (Schnittbilder) und 3D-Darstellungen, wurden mit der Standardauswertesoftware VG Studio MAX (Volume Graphics, Heidelberg) erzeugt. Eine visuelle Analyse der Schnittbilder lieferte Informationen über das Innere der Musikinstrumente. Auf diese Weise ließen sich Befunde über den Erhaltungszustand und die historische Herstelltechnik der Musikinstrumente erarbeiten. Darüber hinaus bot sich für das Museum die Möglichkeit, umfassende Dossiers zur Dokumentation des konservatorischen Zustands aller aufgenommenen Objekte zu erstellen.

Im Winter 2008 lagen die Vermessungsdaten der fünf Krummhörner (SAM 203, SAM 204, SAM 205, SAM 206 und SAM 679), der Rauschpfeife (SAM 177) und des Serpents (SAM 237) vor. Sie gewähren den Wissenschaftlern Einblick in historische instrumentenbauliche Konzepte und dienen Instrumentenmachern zukünftig für detailtreue Kopien der historischen Musikinstrumente. Die in der Renaissance nicht standardisierten Anfertigungsmethoden, die sich besonders deutlich beim Krummhorn SAM 203 und Serpent SAM 237 zeigen, verlangten eine Mischung von Vermessungsmethoden. So wurden die Maße teilweise algorithmisch, in manchen Fällen jedoch auch direkt am Bildschirm genommen.
Der ernorme Vermessungsumfang und die für das jeweilige Einzelobjekt entwickelten elektronischen Vermessungstools und führen zu einer in der Organologie bislang unerreichten Präzision: Pro Objekt wurden zwischen 283 (SAM 177) und 932 (SAM 237) Vermessungsdaten ermittelt.

In der dritten Phase des Projekts, die im Herbst 2009 auslaufen wird, ist die Erarbeitung der Vermessungsdaten des Krummhorns SAM 678 und aller Zinken geplant.
Die aktuellen Ergebnisse des Forschungsprojekts werden laufend in der Fachliteratur und im Rahmen von Vorträgen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nach Abschluß des Forschungsprojekts ist die Publikation eines Teilkatalogs der Zinken sowie eines Teilkatalogs der Krummhörner anvisiert.

Die Sammlung alter Musikinstrumente dankt dem FWF für die Finanzierung dieses in der Organologie richtungsweisenden Forschungsprojekts und dem Projektpartner FH OÖ Campus Wels für die hervorragende Zusammenarbeit.

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