Theseustempel Kunsthistorisches Museum Wien Kunsthistorisches Museum Wien Neue Burg Kaiserliche Schatzkammer Wien
  • Kunsthistorisches Museum Wien
  • Kunsthistorisches Museum Wien Neue Burg
  • Kaiserliche Schatzkammer Wien
  • Theseustempel Wien

Entdecken Sie auch

Die Kaiserliche Wagenburg Wien
Das Schloss Ambras Innsbruck
Weltmuseum Wien
Das Österreichische Theatermuseum

Die Standorte

ILAC

(Image-based classification of Ancient Coins)

Das Projekt figuriert im Rahmen des Translational Research Program des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) und wurde auf 3 Jahre bewilligt. Es ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Computer Vision Lab der Technischen Universität Wien und dem Münzkabinett des KHM.


Ziele

Das ehrgeizige Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines computergestützten Systems, das in der Lage ist, einzig auf der Grundlage von Digitalbildern Münzen zu klassifizieren und eine Zitiernummer zu ermitteln. Dies soll für sämtliche Edelmetallprägungen der Römischen Republik von der Einführung des Denars um 211 v. Chr. bis zum Übergang in die Kaiserzeit, das sog. Prinzipat, im Jahre 27 v. Chr. realisiert werden. Als Primärgrundlage dient das bereits 1974 erschienene Werk von Michael H. Crawford, Roman Republican Coinage, das, abgesehen von einigen Detailstudien, nach wie vor unangefochten ist.

Solch ein technisches Werkzeug könnte dabei helfen, die Flut an Material zu bewältigen, die seit dem massiven Einsatz der Digitalfotografie verfügbar geworden ist. Ebenso ist es denkbar, große Schatzfunde durch EDV-Einsatz vorab klassifizieren zu lassen. Falls erfolgreich soll dieses Werkzeug öffentlich nutzbar sowie der Gesamtbestand an Münzen der Römischen Republik nach Projektende in einer frei zugänglichen Datenbank präsentiert werden. Nicht nur viele Museen ohne eigenes Münzkabinett, auch weitere fachspezifische Projekte sowie Sammler werden hieraus Nutzen ziehen können.

Als Referenzmaterial dient die Sammlung des Münzkabinetts des Kunsthistorischen Museums, die mit beinahe 6.000 Stück  aus der Römischen Republik zu den größten Sammlungen der Welt zählt. Hiervon sind etwa 4.200 Münzen für das Projekt relevant; diese sollen als Leitmünzen dienen, durch die andere Stücke einem bestimmten Münztyp zugeordnet werden können. Der gesamte Bestand wird im Münzkabinett fotografiert, bestimmt und in einer speziellen Datenbank beschrieben. Die Bezeichnung der Münztypen sowie die Datierungen werden von Crawfords Roman Republican Coinage übernommen.

Ähnliche Programme wurden bislang lediglich zur Bestimmung moderner Münzen erfolgreich entwickelt. Im Unterschied zu solchen in Aussehen, Größe und Gewicht völlig normierten Prägungen weisen antike Münzen viele individuelle Merkmale wie Kratzer oder dezentrierte Prägeschläge auf. Weiters weichen Münzen desselben Typs aufgrund der Verwendung händisch hergestellter Prägestempel sowie einer Vielzahl von Beizeichen voneinander ab.


Das Geld der Römischen Republik

Inmitten der Wirren des zweiten Punischen Krieges am Ende des 3. vorchristlichen Jahrhunderts (um 211 v. Chr.) wurden in Rom erstmals regelmäßig und in großen Mengen Silbermünzen geprägt. Hierbei handelt es sich um den sog. Denar mit seinen Teilstücken Quinar und Sesterz; die beiden letzteren wurden allerdings nicht kontinuierlich ausgeprägt. Der Denar hatte, wie der Name bereits sagt, anfangs den Wert von zehn Asses, der Quinar fünf und der Sesterz zweieinhalb Asses. In der zweiten Hälfe des 2. Jahrhunderts v. Chr. wurde der Wert des Denars auf 16 Asses angehoben. Das Gewicht eines Denars beträgt am Anfang der Prägung 1/72 eines römischen Pfundes (ca. 4,5 g).

Die Darstellungen auf den Münzen sind zu Beginn ihrer Ausgabe mehr oder weniger standardisiert: Auf dem Avers sind der behelmte Kopf der Roma und ein Wertzeichen (X, V und IIS) zu sehen, auf dem Revers die auf ihren Pferden reitenden Dioskuren mit der Legende ROMA. Nach und nach werden die Münzbilder durch kleine Symbole und zusätzliche Legenden bereichert. Sie nehmen meist auf den Münzmeister, den für die Prägung der Münzen zuständigen Beamten, oder dessen Ahnherren und deren Verdienste um den römischen Staat Bezug. Erst in späterer Zeit dominieren individuelle Darstellungen die Münzbilder. Neben dem besonders reichen Bilderrepertoire auf den republikanischen Silberprägungen sind die Form der Münzen, die Anordnung von Avers- und Reversstempel, nachträgliche Bearbeitungen der Münzen, das meist von Münze zu Münze unterschiedliche Gewicht und die Präsenz von Prüfzeichen und unterschiedlichen Beizeichen hervorzuheben, die Rückschlüsse auf die Herstellungsprozesse der Münzen erlauben.

Ganz anders verhält es sich mit Goldprägungen in der römischen Republik. Münzen aus Gold wurden in dieser Zeit nur selten und in unregelmäßigen Abständen geprägt. Zu nennen ist hier das sog. Mars-Adler-Gold, benannt nach den Avers- und Reversbildern, das ebenfalls während des zweiten Punischen Krieges um 211 v. Chr. emittiert wurde. Der Wert der Münzen (60, 40 und 20 Asses) ist ebenfalls durch Wertzeichen auf dem Avers ersichtlich. Regelmäßige Ausgaben von Goldmünzen (lat. aurei) kamen erst in der ausgehenden Republik im Jahre 46 v. Chr. unter dem Dictator C. Iulius Caesar auf. Sie entsprachen dem Wert von 25 Denaren, ihr Gewicht beträgt in dieser Zeit 1/40 eines römisches Pfundes (ca. 8,2 g).


Bild
Denar (Wertzahl X), anonym; 211 v. Chr.; Cra 44/5
Denar (Wertzahl X), anonym; 211 v. Chr.; Cra 44/5
Quinar (Wertzahl V) anonym; 211 v. Chr.; Cra 44/6
Quinar (Wertzahl V) anonym; 211 v. Chr.; Cra 44/6
Sesterz (Wertzahl IIS) anonym; 211 v. Chr.; Cra 44/7
Sesterz (Wertzahl IIS) anonym; 211 v. Chr.; Cra 44/7
60 Asses (Gold) anonym; sog. Mars-Adler Gold; 211 v. Chr.; Cra 44/2
60 Asses (Gold) anonym; sog. Mars-Adler Gold; 211 v. Chr.; Cra 44/2
Aureus des Caesar; 48/47 v. Chr.; Cra 452/1
Aureus des Caesar; 48/47 v. Chr.; Cra 452/1

Information

Projektleitung
Univ.-Ass. Dr. techn. Dipl. Ing. Martin Kampel (TU Wien)
Dr. Klaus Vondrovec (Kunsthistorisches Museum Wien, Münzkabinett)

Bearbeiterin am Münzkabinett
Mag. Kathrin Siegl

Finanzierung
FWF (Translational Research Program)

Projektnummer
TRP 140-N23

Dauer
1.1.2011 - 31.12.2013

caa.tuwien.ac.at/cvl/research/ilac/