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Die Standorte
 

Hofjagd- und Rüstkammer

Die Wiener Sammlung zählt zu den weltbesten ihrer Art. Darüber hinaus ist sie die bestdokumentierte höfische Rüstkammer der abendländischen Welt, da die Objekte durchwegs im Zusammenhang mit hochpolitischen Ereignissen entstanden oder in die Sammlung gekommen sind: anlässlich von Feldzügen, Reichstagen, Huldigungen, Krönungen, Verlobungen, Hochzeiten oder Taufen. Keine andere Herrscherfamilie war mit so vielen Ländern Europas durch Heirat verbunden wie die Habsburger. Daher sind fast alle westeuropäischen Fürsten vom 15. bis ins frühe 20. Jahrhundert mit Rüstungen und Prunkwaffen vertreten.

Die Harnische sind Einzelanfertigungen der berühmtesten Plattner: der Reiterharnisch von Tommaso Missaglia, der Küriss von Lorenz Helmschmid für Kaiser Maximilian I., der Knaben-Faltenrockharnisch von Konrad Seusenhofer für den späteren Kaiser Karl V. und der Halbharnisch alla romana von Filippo Negroli und viele mehr. Für die oft prachtvollen Ätzungen sind nicht selten die Entwürfe so berühmter Künstler wie Dürer oder Holbein verwendet worden.

Erfahren Sie mehr über wissenschaftliche Projekte der Hofjagd- und Rüstkammer im Bereich Wissenschaft & Forschung.

Information

Hofjagd- und Rüstkammer
Neue Burg
Heldenplatz, 1010 Wien

ÖffnungszeitenMi – So, 10 – 18 Uhr
Einlass ist jeweils bis eine halbe Stunde vor Schließzeit!

Am 30. Mai 2013 (Fronleichnam) hat die Neue Burg für Sie geöffnet!
Sonderöffnungszeiten

Sekretariat
Tel. +43 1 525 24- 4502
info.hjrk@khm.at

Der vorliegende Harnisch des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz ist ein Hauptwerk der Mailänder Plattnerei. Wie man an den eingeschlagenen Firmen- und Meistermarken des Tomaso Missaglia erkennen kann, handelt es sich bei dem Harnisch um eine Gemeinschaftsarbeit der Familie Missaglia. Trotz seiner Einheitlichkeit zeigen drei weitere Meistermarken, dass er von vier verschiedenen Meistern, und zwar von Tomaso Missaglia, Antonio Missaglia, Innocenzo da Faerno und Antonio Seroni, gearbeitet wurde. Diese weitgehende Arbeitsteilung entspricht der üblichen Vorgangsweise eines Mailänder Großbetriebes, in dem sich verschiedene Plattner auf einzelne Harnischteile spezialisierten. 
Um 1450 hatten die Mailänder Plattner den Höhepunkt ihres Ruhmes erreicht. Da Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz, der Besitzer des Harnisches, stark von der französischen Kultur beeinflusst war (die Rheinpfalz liegt an der Westgrenze Deutschlands), haben sich die Mailänder Meister dem nach Frankreich ausgerichteten Geschmack ihres Kunden angepasst. Als für den Export bestimmter Harnisch alla francese weicht dieser Küriss von den gleichzeitigen italienischen Harnischen in mehreren Einzelheiten ab. Die Schultern sind symmetrisch ausgestaltet und mit kleinen, angehängten Rundscheiben (Schwebscheiben) unter den Achseln verstärkt. Dem französischen Geschmack folgend, besitzt die Wiener Rüstung als Kopfschutz ein Grand Bacinet, einen großen Helm mit Rundvisier. Die aus Stahl gefertigten Schuhe enden in den überlangen Spitzen der spätgotischen Schnabelschuhe. Die bizarren Spitzen entsprangen einer Modelaune der Epoche. Da sie den Träger beim Gehen behinderten, waren sie abzustecken, wenn sich der Besitzer der Rüstung zu Fuß bewegen wollte.
Einige stilistische Gründe legen eine Datierung gegen Ende dieses Jahrzehnts nahe, was sich auch mit den historischen Daten deckt. Kurfürst Friedrich der Siegreiche trat 1449 seine Regierung in der Pfalz an, und es ist wahrscheinlich, dass die Bestellung dieses Harnisches anlässlich dieses Ereignisses erfolgte.
Ganzer Feldharnisch, Armatura alla Francese