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Des Kaisers teure Kleider

Uniform und Mode am Wiener Hof Festroben und Ornate, Hofuniformen und Livréen vom frühen 18. Jahrhundert bis 1918

Kleider machen Leute.

Im Rückblick auf die Mode des 19. Jahrhunderts erscheint uns dieses Sprichwort besonders treffend. Die Fürstenhöfe Europas waren damals noch Zentrum der Macht und deshalb auch Zentrum der Mode und des Geschmacks. Seit der Mitte des18. Jahrhunderts waren die Fürsten Europas bestrebt, das Militär, die Staatsbeamten und die Hofwürdenträger nach Vorschriften zu kleiden, also zu uniformieren. Diese Tendenz findet in Frankreich unter Kaiser Napoleon ihren ersten Höhepunkt. In Österreich folgt man dem Zug der Zeit während der Vorbereitung des Wiener Kongresses, der im Winter 1814/15 die einflußreichen Persönlichkeiten ganz Europas in der alten Kaiserstadt vereinte.

Die Uniformen der Offiziere und der Beamten und ebenso die Livreen das sind die Kleider der Dienerschaft drücken Übereinstimmung mit etwas Höherem, einem größeren Ganzen aus. Man trägt "des Kaisers Rock". Die daraus erwachsenden Verpflichtungen wurden im Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus besonders hoch bewertet. Kaiser Joseph II. verstand sich als "Erster Diener" des Staates, der an der Spitze einer Pyramide von loyalen und verantwortungsvollen "Dienern" stand. Um den Herrscher scharte sich der Hofadel, der die wichtigsten Ränge in Militär und Staat besetzte und der mit dem obersten Herrn sowie mit allen anderen Mitgliedern des Hofes nur unter Beachtung einer strengen Etikette verkehren, verhandeln, sprechen oder streiten, leben oder sterben konnte. Selbstverständlich konnten hier die strengsten Vorschriften über hoffähige Kleidung nicht fehlen. Innerhalb der Pyramide der zivilen und militärischen Staatsdiener drückte die Uniform Rang und Bedeutung des Trägers aus. Damit war auch er in die zeremoniellen Vorschriften eingebunden.

Seit der Biedermeierzeit prägten uniformierte und livrierte Personen das Straßenbild der Haupt- und Residenzstädte. Vom Minister bis zum Portier, vom Universitätsprofessor bis zum Schuldiener, vom Gerichtspräsidenten bis zum Amtsboten, alle waren uniformiert. Dazu kam, daß das Straßenbild beherrscht war von unzähligen Kutschen mit prächtig geschirrten Pferden und noch prächtiger livrierten Kutschern und Lakaien. Vor jedem Amtsgebäude, vor jedem Adels-Palais stand ein livrierter Portier mit einem mächtigen Portierstock.Bei großen, höfischen oder staatlichen Festen und an den hohen kirchlichen Feiertagen traten auch die Mitglieder der adeligen Ritterorden und der zivilen Verdienstorden in ihren altertümlichen, prächtigen Ornaten auf, auch die Damen hatten vorgeschriebene Kleider zu tragen.

Weil aber die Verschiedenheit der Völker der österreichisch-ungarischen Monarchie sich auf alles auswirkte, waren auch die Uniformen und Livreen, Ornate und Festkleider von den Traditionen dieser Völker geprägt. Nicht nur Offiziere waren ungarisch "adjustiert" auch Geheim-Räte und Staatsbeamte. Die Livreen der Dienerschaft spiegelten Nationalbewußtsein, Reichtum und Geschmack ihrer Herrschaften wieder, und man konnte den Einfluß von ungarischen und kroatischen, böhmischen und mährischen, polnischen und ukrainischen, italienischen und dalmatinischen Trachten in unzähligen Abstufungen erkennen.Die Vielfalt dieser jahrzehntelang gleichbleibenden Herrenkleidung bildete die wirkungsvolle Folie für die sich im ständigen Wandel befindliche Damenmode.

Wie stark die Tendenz zur Uniformierung war, zeigt die modische Herrenkleidung Englands, der Frack und der Smoking, die kreiert wurden, um die "Uniformierung" durch individuelle "Mode" zu überwinden, aber nach kurzer Zeit sind sie zur Uniform geworden. Am Frack trägt man bis zum heutigen Tage sogar Orden, wie auf der Uniform.Die kulturhistorisch äußerst interessante Beziehung zwischen Uniform und Mode, eingebunden in den Glanz höfischen Lebens, will die Ausstellung des Kunsthistorischen Museums anhand von über 100 originalen Kleidungsstücken, vielen Portraits und Bildern historischer Ereignisse darstellen. 

Information

15. Mai 2000
bis 17. September 2000

Kunsthistorisches Museum Wien
Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien

Öffnungszeiten
Juni bis August
täglich 10 – 18 Uhr
Do bis 21 Uhr


September bis Mai
Di – So, 10 – 18 Uhr
Do, 10 – 21 Uhr

Einlass ist jeweils bis eine halbe Stunde vor Schließzeit!

Am 22. Dezember 2014 (Montag vor Weihnachten) hat das Kunsthistorische Museum Wien für Sie geöffnet!Sonderöffnungszeiten

Palais Harrach, 1. Stock

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