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Die Standorte

Anton Josef Trcka

Retrospektive 1912-1939

Ab 15. Dezember ist im Palais Harrach eine von Frau Dr. Monika Faber zusammengestellte Retrospektive des österreichischen Symbolisten Anton Josef Trcka zu sehe.

"Antios" in merkwürdigen verschlungenen Lettern liest man auf den immer wieder abgebildeten Selbstdarstellungen Egon Schieles. Anton Josef Trcka, geboren 1893 in Wien, der Portraitist Egon Schieles, der sich hinter diesem Pseudonym verbarg, war nicht nur vergessen, er hatte schon im Bewußtwein der Kunstszene seiner Zeitgenossen kaum existiert. Als Dichter, Maler und Photograph war er sowenig angepaßt, daß er nie einer Gruppe angehörte, fast nie Gelegenheit zur Ausstellung und Publikation fand. Doch galt er in einem kleinen Kreis von Malern, Tänzerinnen und Schriftstellern als kongenialer Portraitist. Egon Schiele, Gustav Klimt und viele andere schätzten seine Bilder, empfahlen ihn Freunden weiter, die die Bilder in der Emigration hüteten; es wurden Drucke nach seinen Zeichnungen und Kopien seiner Gedichte weitergereicht. Nach seinem Tod 1940 galt sein Atelier als Hort der inzwischen verfemten Anthroposophie in Wien. Eine Bombe vernichtete 1944 dort auf einen Schlag fast sein gesamtes Werk.

Was verstreut überlebt hat, wurde nun erstmals zusammengetragen. Aus dem zwischen 1912 und 1930 entstandenen bildnerischen Werk läßt sich eine Künstlerpersönlichkeit rekonstruieren, die zeitlebens zwischen den Einflüssen der Kunst in Wien und jener der böhmischen Heimat der Familie schwankte. Egon Schieles expressive Gebärdensprache findet sich in seiner Photographie Seite an Seite mit symbolistischen Anklängen und Motiven aus der tschechischen Folklore.

Der Photograph, Maler und Dichter Anton Josef Trcka wurde am 7. September 1893 in Wien geboren. Seine Eltern kamen aus Mähren und erzogen ihre drei Kinder im Bewußtsein ihrer tschechischen Nationalität. Dieser Zwiespalt zwischen der Neigung zum Slawischen und der Faktizität des Lebens in Wien mit den Einfluß der Künstler dort auf ihn sollte Leben und Werk Trckas prägen: So war er zum Beispiel gleicherweise befreundet mit dem nationalistischen tschechischen Dichter J. S. Machar wie mit Peter Altenberg.

1911 trat er in die K.K. Graphische Lehr- und Versuchsanstalt ein, wo Karel Novak sein Lehrer wurde. Er experimentierte mit den neuen photographischen Techniken, manche Aufnahmen gibt es sowohl als Brom-Silber-Abzüge wie als Bromölumdrucke, also seitenverkehrt. Oft wurde der Hintergrund im Negativ mit dem Pinsel verändert, um den von Symbolismus und den Praeraffaelliten geprägten visuellen Vorstellungen des jungen Künstlers zu entsprechen.Anfang 1914 kam es zu einem Zusammentreffen mit Egon Schiele, bei dem der Maler die expressiven Gesten und Posen seiner Selbstbildnisse vor der Kamera aufführte. Anscheinend hatte der Photograph bereits früher Reproduktionsvorlagen von Gemälden für den fast gleichaltrigen Maler hergestellt.Die dem "Neuen Tanz" und wohl auch den französischen Bildatlanten der wissenschaftlichen "Dokumentation" der Körpersprache von Hysterikerinnen nahestehende Gestik Schieles widerspricht allem, was bis dahin im Portrait üblich war. Trcka, der sich damals bereits mit "Antios" (zusammengezogen aus seinen beiden Vornamen) signierte, vermochte es, mit seinem an den "klassischen" Portraits des 16. Jahrhunderts mit ihrem frontalen Aufbau und der Integration von Schrift geschulen Stil den ungewähnlich ausdrucksstarken Körperhaltungen des Malers einen kongenialen Rahmen zu schaffen.

So wie Schieles Portraitstil Trckas photographische Menschendarstellung in den nächsten Jahren beeinflussen sollte, so lassen seine Landschaftsphotographien und die frühen Aquarelle die Bewunderung des jungen Künstlers für Gustav Klimt und dessen ornamentalflächigen Bildaufbau erkennen.Zugleich setzte sich Trcka mit tschechischer Folklore auseinander, mit jenen floralen Ornamenten, wie man sie etwa von alten Stickerein kennt. Daraus entwickelte er sehr eigenwillige, fast abstrakte Aquarelle.Der direkte oder indirekte Kontakt mit tschechischen Künstlern der sogenannten "Prager Moderne" bewirkte auch eine Hinwendung Trckas zu religiösen Motiven, die für seine großen Vorbilder, den Dichter Otokar Brezina und den Bildhauer Frantisek Bilek, typisch waren.

1915 lernte Trcka die Dichterin Anna Pamrova und durch sie das Werk Otokar Brezinas kennen. Deren idealistisch-asketisches Bild vom Künstlertum sollte den jungen Mann ebenso prägen wie der Einfluß Rudolf Steiners und dessen "Anthroposophischer Gesellschaft", der Trcka durch seine zukünftige Frau Clara Schlesinger nahe stand.

Highlights

Frauenportrait

1916
Brom-Silber-Abzug, 23,5 cm x 18 cm

 
  • Objekt 6 von 6

Information

15. Dezember 1999 bis 30. Januar 2000

Kunsthistorisches Museum Wien
Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien