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Das Haus der Medusa

Fokus Denkmal: Das Haus der Medusa

Römische Wandmalerei aus Enns

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt

Im Jahr 2000 wurden im Vorfeld eines Parkplatzbaues in Lorch bei Enns in Oberösterreich im Rahmen einer archäologischen Notgrabung römische Wandmalereifragmente entdeckt und geborgen. Fünf große Blöcke und mehr als 60 Holzkisten voll mit einzelnen Fragmentteilen brachten den bislang wohl umfangreichsten und bedeutendsten Fund an provinzialrömischer Wandmalerei in Österreich zutage. Die Malereien waren Teil einer gewölbten Decke mit dazugehörigen Wanddekorationen und erweitern die Kenntnis um diese Kunstgattung im römischen Österreich wesentlich. Bisher waren kaum Malereikomplexe bekannt, bei denen die Ausstattung mehrerer zusammengehöriger Räume erhalten sind. Bis zu vier übereinanderliegende Putzschichten aus mehreren dekorativen Ausstattungsphasen zeigen prachtvolle figurale und dekorative Elemente. Der Erhaltungszustand der aus dem 3. Jhdt. stammenden Wandmalereien ist außergewöhnlich gut. 2012 begann in einer Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen Archäologie und Konservierung-Restaurierung des Bundesdenkmalamtes die Bearbeitung dieses Fundkomplexes. Eine besondere Herausforderung stellte dabei das Finden und Wiederzusammenfügen der aus einer Vielzahl an Einzelteilen bestehenden Fragmente dar.

An der Grenze des römischen Imperiums gelegen, war Enns, das antike Lauriacum, eine bedeutende Stadt der Kaiserzeit. Gerade die exponierte Lage am Limes, für den zurzeit bei der UNESCO der Status des Weltkulturerbes beantragt wird, zeigt lehrreich, wie eine fruchtbare Schlüsselfunktion zwischen dem scheinbar Fremden und dem Eigenen erfolgreich genützt werden kann. Die hohe künstlerische Qualität der malerischen Ausstattung des Hauses beeindruckt und lässt die direkten Verbindungen der antiken Menschen an der Donau bis nach Rom lebendig werden.

Geschmackswandel und Mode brachten es mit sich, dass in den repräsentativen Räumen dieses Hauses im Laufe von zwei Jahrhunderten vier aufeinanderfolgende Ausstattungen an Wänden und Gewölbe in Auftrag gegeben wurden. In der Ausstellung werden die konservierten und restaurierten Fragmente von mindestens drei Phasen der Wand- und Deckenmalereien aus dem römischen Haus der Medusa in Enns gezeigt. Für diese Malschichten des 3. Jahrhunderts n. Chr. wurden unterschiedliche Dekorationssysteme verwendet, die sich aus den Fragmenten rekonstruieren lassen. Gerahmt von geometrischen Rapporten zeigen die Bildfelder figürliche Motive, unter anderem mehrfach das Haupt der Medusa, das heute namensgebend für das Haus geworden ist. Die Qualität der Malereien und das reiche Bildrepertoire belegen enge Kontakte zu Rom.

In der Ausstellung werden die verschiedenen Phasen dokumentiert und die antike Werktechnik vorgestellt. Neben dem archäologischen Befund des Hauses steht auch die Arbeit bei der Bergung und Restaurierung der Malereien im Vordergrund.

Die Geschichte römischer Malerei ist vorwiegend jene der Wandmalerei. Dies ist nicht lediglich ein Überlieferungszufall, sondern spiegelt den tatsächlichen Stellenwert wider. Wanddekorationen und insbesondere die zentralen Bildfelder von Wänden und Decken stellen die Hauptwerke dieser Kunstgattung dar. In besonderen Fällen waren Bildfelder nicht direkt auf die Wand, sondern auf Holz- oder Marmortafeln gemalt, die dann in die Wände eingelassen wurden. Zwei der knapp ein Dutzend erhaltenen Marmorwandtafeln sind heute in der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums verwahrt und werden im Rahmen dieser Ausstellung erstmals gezeigt.

Nach der Präsentation der romanischen Portalreliefs des Gurker Domes 2014 ist die aktuelle Ausstellung zu den römischen Wandmalereien aus Enns die zweite, die in der Reihe „Fokus Denkmal“ in bewährter Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt im Kunsthistorischen Museum Wien gezeigt werden kann.

Die fortlaufenden Kooperationen mit dem Bundesdenkmalamt machen besonders augenfällig, wie Forschung, Denkmalpflege und Vermittlung ineinandergreifen können und sollen. Das Kunsthistorische Museum versteht sich als wissenschaftliche Institution und außeruniversitäre Forschungseinrichtung. Die in den Sammlungen betriebene Grundlagenforschung bildet dabei immer auch eine unverzichtbare Basis für Ausstellungen. Umso wichtiger ist es, dass neben den kunsthistorischen Aspekten der antiken Wandmalereien auch die kulturhistorischen Zusammenhänge antiker Lebensformen gezeigt werden können. Zudem werden die große Kompetenz und der große Einsatz für die Erhaltung und Restaurierung dieses Kulturerbes vorgestellt.


 

 

 

 

 

Mit Unterstützung von:

Information

21. November 2017
bis 8. April 2018

Kunsthistorisches Museum Wien
Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien

Öffnungszeiten
Juni bis August
täglich 10 – 18 Uhr
Do bis 21 Uhr

(Münzkabinett: 10 – 18 Uhr)

September bis Mai
Di – So, 10 – 18 Uhr
Do, 10 – 21 Uhr

(Münzkabinett: 10 – 18 Uhr)
Einlass ist jeweils bis eine halbe Stunde vor Schließzeit!

Im Dezember täglich geöffnet!

Sonderöffnungszeiten

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