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FARAS - Kathedrale aus dem Wüstensand

Christliche Fresken aus Nubien

Das „Wunder von Faras" nannten polnische Archäologen die christlichen Fresken aus der Kathedrale von Faras (heutiger Sudan), als sie diese im Zuge einer archäologischen Rettungsaktion freigelegt hatten.

Mit dem Bau des Assuan-Staudammes drohten zahlreiche, zwischen dem 1. und dem 2. Katarakt am Nilufer gelegene antike Bauwerke in den Fluten des Stausees zu versinken. Dank einer internationalen Zusammenarbeit unter der Schirmherrschaft der UNESCO gelang es jedoch, einige bedeutende Anlagen abzutragen und an anderer Stelle wiederaufzubauen bzw. vor dem endgültigen Untergang einer gründlichen wissenschaftlichen Untersuchung zu unterziehen.
So übernahm in den Jahren 1960 - 1964 ein Team vom Institut für Mittelmeerarchäologie der Universität Warschau unter der Leitung von Prof. Dr. Kazimierz Michalowski die Ausgrabungen in dem kleinen Dörfchen Faras, stromaufwärts unweit von Abu Simbel gelegen, das in historischer Zeit ein wichtiges Zentrum Nubiens war. Faras - oder Pachora, so der alte Name - hatte schon im 6. Jahrhundert eine christliche Kirche und war seit etwa 625 Sitz eines Bistums. Was als „normale" Notgrabung begann, endete als archäologische Sensation. Im Laufe der Ausgrabungen stieß man auf eine verschüttete Kathedrale und darin auf über 120 Wandmalereien, welche in mehreren Schichten über- und nebeneinander an den Wänden der Kirche angebracht waren. Die Fresken des 11. und 12. Jahrhunderts stellen einen besonderen Höhepunkt in der Qualität dar und beweisen, daß Faras der maßgebende künstlerische Mittelpunkt im Norden des christlichen Nubiens (Königreich Nobatia) war. Abgesehen von der Bedeutung, die dieser Fund für die Kunstgeschichte - im Speziellen für die Entwicklung der Malerei - hatte, stellen die polnischen Ausgrabungen eine wahre Fundgrube an historischen Informationen dar.

Seit dem Jahre 1964 besitzt das Nationalmuseum in Warschau eine Sammlung von 67 dieser Wandbilder, die im allgemeinen „Fresken aus Faras" genannt werden, was jedoch ungenau ist, sind doch die Gemälde in der Secco- und nicht in der Freskotechnik ausgeführt. Diese Sammlung gilt als einzigartig und ist bereits weltweit bekannt. Es handelt sich hierbei um die Hälfte der bildnerischen Ausschmückung der heute bereits nicht mehr vorhandenen frühchristlichen Kathedrale in Faras.

Der andere Teil dieser Denkmäler befindet sich im Museum in Khartoum. Entsprechend den während der Ausgrabungsarbeiten, der sogenannten Nubischen Kampagne, im Sudan vereinbarten Abmachungen wurden die Fundstücke zwischen der archäologischen Expedition und der Regierung des Sudan geteilt. Der dem Nationalmuseum in Warschau zufallende Anteil an Denkmälern besteht nicht nur aus Wandbildern, sondern auch aus Reliefs, Elementen architektonischer Dekoration, Bronzearbeiten, Holzbildwerken, Keramik, Inschriften in Stein und vielen anderen Gegenständen von hohem künstlerischem Wert. Die Perle der Sammlung stellen jedoch zweifellos die Wandbilder dar.

Über 70 gut erhaltene Wandmalereien, Steinfriese, Stelen und Grabbeigaben aus dem Nationalmuseum in Warschau werden ab Mai im Kunsthistorischen Museum zu sehen sein. Sie geben einen profunden Einblick in das christliche Kunstschaffen des 7. bis 12. Jahrhunderts im nordnubischen Königreich Nobatia.

Information

23. Mai 2002
bis 15. September 2002

Kunsthistorisches Museum Wien
Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien

Öffnungszeiten
Juni bis August
täglich 10 – 18 Uhr
Do bis 21 Uhr


September bis Mai
Di – So, 10 – 18 Uhr
Do, 10 – 21 Uhr

Einlass ist jeweils bis eine halbe Stunde vor Schließzeit!

Am 8. Dezember 2014 (Maria Empfängnis) hat das Kunsthistorische Museum Wien für Sie geöffnet!Sonderöffnungszeiten

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